Autos werden immer stärker von Software gesteuert. Doch mit der zunehmenden Digitalisierung steigen auch die Anforderungen an Sicherheit und Zuverlässigkeit. Die Technische Universität Ilmenau übernimmt jetzt die Leitung eines internationalen Forschungsprojekts, das Fahrzeuge der Zukunft sicherer machen soll. Unter dem Namen DETROID arbeiten 15 Hochschulen und Unternehmen aus zehn Ländern zusammen. Das vierjährige Projekt wird von der Europäischen Union mit rund 696.000 Euro gefördert.

Internationales Forschungsprojekt in Thüringen gestartet

Am 12. Oktober 2026 fiel der offizielle Startschuss für das Forschungsprojekt DETROID. Die 15 beteiligten Hochschulen und Unternehmen kamen zu einem ersten gemeinsamen Online-Treffen zusammen.

Die Abkürzung DETROID steht für „Dependable Software-Defined Vehicles with Resilient Powertrain and Chassis Dynamics“. Dahinter verbirgt sich die Entwicklung zuverlässiger softwaredefinierter Fahrzeuge mit widerstandsfähigen Antriebs- und Fahrwerkssystemen.

Die wissenschaftliche Koordination übernimmt die Technische Universität Ilmenau. Das Projekt läuft von Oktober 2026 bis September 2030.

Beteiligt sind Forschungseinrichtungen und Industriepartner aus zehn Ländern. Die Fachleute stammen aus Europa sowie aus Japan, Australien und Vietnam.

Gemeinsam wollen sie technische Lösungen entwickeln, die moderne Fahrzeuge auch bei Störungen und unter schwierigen Bedingungen zuverlässig funktionieren lassen.

Wenn Software über Antrieb und Fahrverhalten entscheidet

In modernen Autos übernimmt Software immer mehr Aufgaben. Während früher zahlreiche Fahrzeugfunktionen überwiegend durch mechanische oder fest verbaute elektronische Systeme bestimmt wurden, lassen sich heute viele Eigenschaften digital steuern.

Das betrifft unter anderem den Antrieb, die Fahrwerksregelung und Systeme, die das Fahrverhalten beeinflussen.

Ein wesentlicher Vorteil besteht darin, dass Hersteller bestimmte Funktionen auch nach dem Kauf eines Fahrzeugs durch Software-Updates verbessern oder erweitern können.

Damit verändert sich jedoch auch die technische Architektur der Autos.

Immer mehr elektronische Steuergeräte, Sensoren und Softwarekomponenten müssen zuverlässig miteinander kommunizieren. Fehler in einem Bereich können Auswirkungen auf andere Funktionen haben.

Besonders sicherheitsrelevant wird dies, wenn digitale Systeme unmittelbar in die Steuerung des Antriebs oder des Fahrwerks eingreifen.

Forscher untersuchen Risiken nach Software-Updates

Ein zentraler Schwerpunkt des Projekts ist die Frage, wie sich die Zuverlässigkeit solcher Systeme langfristig sicherstellen lässt.

Denn Software-Updates können die Funktionsweise eines Fahrzeugs verändern. Gleichzeitig müssen alle Komponenten weiterhin innerhalb ihrer technischen Grenzen arbeiten.

Die Wissenschaftler wollen deshalb bereits bei der Entwicklung berücksichtigen, welche Auswirkungen neue Softwareversionen auf die Hardware und das Zusammenspiel unterschiedlicher Systeme haben können.

Dr. Valentin Ivanov, Leiter der Arbeitsgruppe Smart Vehicle Systems am Fachgebiet Regelungstechnik der TU Ilmenau, koordiniert das internationale Projekt.

Er betont, dass Sicherheit nicht erst am Ende der Entwicklung überprüft werden dürfe.

„Ob Antrieb und Fahrwerk auch nach wiederholten Software-Updates verlässlich arbeiten, hängt davon ab, wie früh Hardwaregrenzen, Sicherheitsnormen und Testmethoden in den Entwurf einfließen“, erklärt Ivanov.

Im Forschungsprojekt DETROID sollen diese Aspekte deshalb von Beginn an berücksichtigt werden.

Prüfstände und Testfahrzeuge in Ilmenau im Einsatz

Für die Forschungsarbeiten stehen unterschiedliche technische Einrichtungen zur Verfügung.

Dazu gehören Prüfstände, Testfahrzeuge und Simulationsplattformen der beteiligten Partner.

Auch das Thüringer Innovationszentrum Mobilität an der TU Ilmenau wird in das Projekt eingebunden.

Dort können neue technische Ansätze unter kontrollierten Bedingungen untersucht und erprobt werden.

Die Forschenden wollen insbesondere herausfinden, wie sich softwarebasierte Antriebs- und Fahrwerksfunktionen gegenüber Störungen widerstandsfähiger gestalten lassen.

Eine wichtige Rolle spielen dabei die Systemarchitektur, moderne Regelungstechnik und zuverlässige Testverfahren.

Durch die Verbindung dieser Fachgebiete sollen Lösungen entstehen, die sich für zukünftige Fahrzeuggenerationen nutzen lassen.

Wissenschaftler arbeiten zeitweise im Ausland

DETROID verfolgt nicht nur technische Forschungsziele. Ein besonderer Bestandteil ist der internationale Austausch von Wissen und Erfahrungen.

Das Projekt wird über das EU-Förderprogramm „Marie Skłodowska-Curie Actions – Staff Exchanges“ unterstützt.

Dieses Programm ermöglicht Wissenschaftlern und Fachkräften aus den beteiligten Einrichtungen, vorübergehend an anderen Forschungseinrichtungen oder Unternehmen im Ausland zu arbeiten.

Dort können sie neue Methoden kennenlernen, Versuche durchführen und ihre Erfahrungen anschließend in die eigene Einrichtung einbringen.

Für das vierjährige DETROID-Projekt sind insgesamt 139 Monate solcher Forschungs- und Arbeitsaufenthalte vorgesehen.

Damit soll ein enger Austausch zwischen den Hochschulen und Unternehmen entstehen.

Die internationale Zusammenarbeit ist besonders wichtig, weil softwaredefinierte Fahrzeuge Kenntnisse aus unterschiedlichen Fachgebieten erfordern.

Partner aus Europa, Asien und Australien

Die beteiligten Einrichtungen wurden aus einem internationalen Forschungsnetzwerk zusammengestellt, das bereits bei früheren europäischen Projekten zusammengearbeitet hat.

Mit der Libera Università di Bolzano und der Università Politecnica delle Marche sind auch zwei italienische Hochschulen beteiligt.

Beide gehören zur europäischen Hochschulallianz SUNRISE, die ebenfalls von der Technischen Universität Ilmenau koordiniert wird.

Die Zusammenarbeit verbindet damit bestehende wissenschaftliche Netzwerke mit neuen Forschungsaufgaben in der Fahrzeugtechnik.

Durch die Beteiligung von Industrieunternehmen soll zugleich der Bezug zu praktischen Anwendungen sichergestellt werden.

Forschungsergebnisse sollen langfristig nutzbar sein

Am Ende des Projekts sollen nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse stehen.

Geplant ist die Entwicklung gemeinsamer Modelle, Datensätze und technischer Werkzeuge.

Diese Ergebnisse sollen auch über das Projektende im September 2030 hinaus verfügbar bleiben und für weitere Forschungsarbeiten genutzt werden können.

Damit könnte DETROID einen Beitrag zur Entwicklung neuer Sicherheitskonzepte für softwaredefinierte Fahrzeuge leisten.

Ob und wann einzelne Ergebnisse tatsächlich in Serienfahrzeugen eingesetzt werden, ist derzeit noch offen. Zunächst geht es darum, die technischen Grundlagen zu erarbeiten und geeignete Methoden zu erproben.

TU Ilmenau stärkt Forschung zur Mobilität der Zukunft

Mit der Koordination von DETROID baut die Technische Universität Ilmenau ihre internationale Zusammenarbeit in der Fahrzeug- und Mobilitätsforschung weiter aus.

Für den Forschungsstandort Thüringen ist das Projekt ein weiterer Baustein bei der Entwicklung moderner Technologien.

Die zunehmende Digitalisierung von Fahrzeugen verändert die Automobilindustrie grundlegend. Neben mechanischen Eigenschaften rücken Softwarequalität, elektronische Systeme und deren zuverlässiges Zusammenspiel stärker in den Mittelpunkt.

Dabei bleibt die Sicherheit eine der zentralen Herausforderungen.

Das internationale Forschungsprojekt soll helfen, Fahrzeuge so zu entwickeln, dass Antrieb und Fahrwerk auch bei komplexen Softwarefunktionen, technischen Störungen und wiederholten Updates zuverlässig arbeiten.

Bis September 2030 wollen die beteiligten Wissenschaftler und Unternehmen dafür neue technische Grundlagen schaffen.