Halle (Saale). Ein digitaler Nachbau der Stadt, mit dem sich neue Bauprojekte planen, Umwelteinflüsse untersuchen und Gewerbeflächen verwalten lassen: Mit dem Smart-City-Projekt HAL-Plan hat die Stadt Halle (Saale) beim bundesweiten Open-Source-Wettbewerb 2026 gleich zwei Auszeichnungen gewonnen. In der Kategorie „Fachverfahren“ erreichte das Projekt den zweiten Platz. Beim zusätzlich vergebenen Community-Award setzte sich Halle sogar gegen sämtliche Mitbewerber durch und erhielt die meisten Stimmen bundesweit.
Die Preise wurden am 13. und 15. Oktober 2026 im Rahmen der Smart Country Convention in Berlin vergeben. Für die Stadt ist die doppelte Auszeichnung ein Erfolg bei der Digitalisierung ihrer Verwaltung und Stadtplanung.
Halle setzt sich bei bundesweitem Wettbewerb durch
Der Open-Source-Wettbewerb richtet sich an Verwaltungen von Bund, Ländern und Kommunen. Gesucht werden innovative Softwarelösungen, die auf offenen Technologien basieren und auch von anderen öffentlichen Einrichtungen genutzt werden können.
Im Mittelpunkt stehen Anwendungen, die Verwaltungsabläufe verbessern, digitale Zusammenarbeit erleichtern und den Einsatz moderner Technologien im öffentlichen Sektor voranbringen.
Die eingereichten Projekte wurden von einer Fachjury in vier Kategorien bewertet: Fachverfahren, interne Verwaltungsanwendungen, Transformation und künstliche Intelligenz.
HAL-Plan erreichte in der Kategorie Fachverfahren den zweiten Platz.
Noch deutlicher fiel das Ergebnis beim Community-Award aus. Für diesen Publikumspreis konnten Interessierte zwischen dem 17. August und dem 30. September online abstimmen.
Dabei erhielt das Hallesche Projekt bundesweit die meisten Stimmen und wurde als Sieger ausgezeichnet.
Oberbürgermeister Alexander Vogt würdigt Auszeichnung
Halles Oberbürgermeister Dr. Alexander Vogt zeigte sich erfreut über den Doppelerfolg.
„Diese Auszeichnung für HAL-Plan ist eine ganz besondere Ehrung, auf die wir als Stadt unglaublich stolz sind“, erklärte Vogt.
Der Oberbürgermeister sieht in dem Projekt nicht nur einen Fortschritt für die eigene Verwaltung, sondern auch ein Beispiel dafür, wie Städte bei der Digitalisierung zusammenarbeiten können.
Das Smart-City-Projekt verfolge ausdrücklich das Ziel, digitale Anwendungen zu entwickeln, die über Halle hinaus genutzt werden können.
„Dass heute schon eine Vielzahl von Kommunen aus ganz Deutschland in die Weiterentwicklung von HAL-Plan eingebunden sind, zeigt, dass diese Idee in der Praxis funktioniert“, betonte Vogt.
Sein Dank gelte insbesondere dem Smart-City-Team der Stadt, das die Entwicklung gemeinsam mit zahlreichen Partnern vorantreibe.
Ein digitaler Zwilling bildet Halle dreidimensional ab
Hinter dem Namen HAL-Plan verbirgt sich ein sogenannter digitaler Zwilling der Stadt Halle.
Dabei handelt es sich um ein digitales 3D-Stadtmodell, das geografische Daten mit Informationen zur Stadtentwicklung und zu geplanten Bauvorhaben verbindet.
Der Vorteil liegt darin, dass sich unterschiedliche Planungsprozesse innerhalb einer gemeinsamen digitalen Umgebung darstellen und untersuchen lassen.
Statt ausschließlich mit zweidimensionalen Karten, Bauzeichnungen und einzelnen Datensätzen zu arbeiten, können Verwaltungsmitarbeiter komplexe räumliche Zusammenhänge sichtbar machen.
Beispielsweise lässt sich darstellen, wie sich ein geplantes Gebäude in seine Umgebung einfügt oder welche Flächen für bestimmte Vorhaben zur Verfügung stehen.
Der digitale Zwilling soll damit helfen, städtebauliche Entscheidungen vorzubereiten und Planungsprozesse nachvollziehbarer zu gestalten.
Entwickelt wurde HAL-Plan im Rahmen des Bundesförderprogramms „Modellprojekte Smart Cities“.
Drei Anwendungen für Stadtplanung, Umwelt und Wirtschaft
HAL-Plan vereint drei zentrale Anwendungen, die unterschiedliche Aufgaben der Stadtverwaltung unterstützen.
Digitale Stadtplanung
Mit dem Planungstool können städtebauliche Vorhaben innerhalb des digitalen Stadtmodells visualisiert werden.
Neue Gebäude, Veränderungen bestehender Strukturen und weitere Planungsvarianten lassen sich räumlich darstellen.
Dadurch können Beteiligte mögliche Entwicklungen besser nachvollziehen und unterschiedliche Varianten miteinander vergleichen.
Umwelteinflüsse untersuchen
Das Ökologietool dient dazu, Umwelteinflüsse im städtischen Raum zu untersuchen.
Damit soll die digitale Plattform auch bei Fragestellungen unterstützen, die für eine nachhaltige Stadtentwicklung wichtig sind.
Gerade angesichts zunehmender Hitzeperioden und der Herausforderungen des Klimawandels gewinnen solche Werkzeuge für Städte an Bedeutung.
Die Software kann entsprechende Planungsinformationen zusammenführen und für die weitere Bewertung verfügbar machen.
Gewerbeflächen digital verwalten
Die dritte Anwendung richtet sich an die kommunale Wirtschaftsförderung.
Mit dem Gewerbeflächentool können verfügbare Flächen digital erfasst, verwaltet und für die Vermarktung aufbereitet werden.
Das erleichtert die Übersicht über mögliche Standorte für Unternehmen und Investoren.
Zugleich können Informationen zu Gewerbeflächen innerhalb der Stadtverwaltung einheitlicher bereitgestellt werden.
Offene Software soll auch anderen Kommunen helfen
Eine Besonderheit von HAL-Plan ist die technische Grundlage.
Die Software wurde gemeinsam mit dem Unternehmen Form Follows You auf Basis der Open-Source-Plattform Buildplace entwickelt.
Open Source bedeutet, dass der Quellcode offen zugänglich ist und unter den jeweiligen Lizenzbedingungen von anderen genutzt, angepasst und weiterentwickelt werden kann.
Anders als bei ausschließlich proprietären Softwarelösungen müssen andere Kommunen die Anwendung deshalb nicht vollständig neu entwickeln.
Sie können auf bereits bestehende Funktionen zurückgreifen und diese an die eigenen Anforderungen anpassen.
Gerade für kleinere Städte und Gemeinden kann das von Bedeutung sein. Umfangreiche digitale Planungswerkzeuge selbst zu entwickeln, erfordert erhebliche finanzielle Mittel und spezialisierte Fachkräfte.
Gemeinsam entwickelte Software bietet die Möglichkeit, vorhandene Ressourcen effizienter zu nutzen und Erfahrungen zwischen Verwaltungen auszutauschen.
Der Ansatz soll außerdem dazu beitragen, technische Abhängigkeiten von einzelnen Softwareanbietern zu verringern.
Digitalisierung wird zur Gemeinschaftsaufgabe
Die Stadt Halle verfolgt mit HAL-Plan einen Ansatz, der über die Digitalisierung einzelner Verwaltungsaufgaben hinausgeht.
Statt ausschließlich eigene Anwendungen zu entwickeln, setzt die Stadt auf die Zusammenarbeit mit anderen Kommunen.
Dadurch können zusätzliche Anforderungen und Erfahrungen in die Weiterentwicklung der Software einfließen.
Die Beteiligung weiterer Städte zeigt nach Einschätzung der Verantwortlichen, dass das Projekt inzwischen nicht mehr ausschließlich ein lokales Vorhaben ist.
Für die öffentliche Verwaltung ist dieser Gedanke besonders relevant.
Viele Kommunen stehen vor vergleichbaren Herausforderungen: Sie müssen neue Wohn- und Gewerbeflächen planen, Infrastruktur modernisieren, Umweltbelastungen berücksichtigen und gleichzeitig mit begrenzten finanziellen sowie personellen Ressourcen arbeiten.
Digitale Werkzeuge können diese Aufgaben unterstützen. Entscheidend ist allerdings, dass sie zuverlässig funktionieren, aktuelle Daten verwenden und sinnvoll in bestehende Verwaltungsabläufe eingebunden werden.
Bundesweite Anerkennung für die Smart City Halle
Mit den beiden Preisen erhält das Smart-City-Projekt HAL-Plan bundesweite Aufmerksamkeit.
Der zweite Platz in der Fachkategorie bestätigt die Anerkennung durch eine unabhängige Wettbewerbsjury. Der Sieg beim Community-Award zeigt darüber hinaus, dass das Projekt auch bei der öffentlichen Abstimmung große Unterstützung erhalten hat.
Für Halle ist die Auszeichnung ein sichtbares Ergebnis der bisherigen Investitionen in die Digitalisierung der Stadtverwaltung.
Gleichzeitig verbindet sich damit die Erwartung, dass die entwickelte Software künftig noch breiter eingesetzt und von weiteren Kommunen übernommen werden kann.
Der doppelte Erfolg bei der Smart Country Convention unterstreicht damit nicht nur die Bedeutung digitaler Stadtmodelle. Er zeigt auch, welches Potenzial in der gemeinsamen Entwicklung offener Verwaltungssoftware steckt.
Für Halle bedeutet das: Das eigene Smart-City-Projekt hat sich zu einer bundesweit ausgezeichneten Lösung entwickelt, deren Nutzen weit über die Stadtgrenzen hinausreichen soll.