Die Inszenierung der österreichischen Regisseurin Stephanie Schimmer setzt auf Tempo, Spielfreude und einen besonderen Umgang mit dem Bühnenbild. Statt einer ehrfürchtigen Annäherung an den weltberühmten Opernklassiker verspricht das Harztheater eine lebendige Komödie, in der die Figuren mit ebenso viel Einfallsreichtum wie Eigensinn um ihre Ziele kämpfen.

Im Mittelpunkt steht der gewitzte Barbier Figaro, gespielt von Michael Rapke. Er versucht, zwei Liebenden zum Glück zu verhelfen, und bringt dabei die sorgfältig ausgearbeiteten Pläne eines eifersüchtigen Vormunds gehörig durcheinander.

Ein Barbier, der für jedes Problem eine Lösung findet

Die Geschichte beginnt mit einer Liebe auf den ersten Blick.

Graf Almaviva hat sich in die junge Rosina verliebt. Doch die Angebetete lebt unter der strengen Aufsicht ihres Vormunds Doktor Bartolo.

Der verfolgt eigene Interessen: Weil Rosina wohlhabend ist, möchte er sie selbst heiraten und sich damit Zugriff auf ihr Vermögen sichern. Um mögliche Verehrer fernzuhalten, schirmt er sie weitgehend von der Außenwelt ab.

Almaviva will das nicht hinnehmen. Er sucht die Unterstützung des Barbiers Figaro, der durch seinen Beruf Zugang zu den unterschiedlichsten Häusern hat und über die Angelegenheiten seiner Mitmenschen bestens informiert ist.

Figaro erweist sich als einfallsreicher Helfer. Mit Verkleidungen, Täuschungsmanövern und immer neuen Plänen versucht er, den Grafen und Rosina zusammenzubringen.

Dabei wird aus dem zunächst einfachen Vorhaben eine turbulente Folge von Missverständnissen, unerwarteten Begegnungen und komischen Situationen.

Die Oper lebt gerade davon, dass nahezu jede Figur glaubt, die Ereignisse kontrollieren zu können – während die Wirklichkeit immer wieder andere Wege nimmt.

Regisseurin Stephanie Schimmer setzt auf Tempo und Humor

Für die Inszenierung ist Stephanie Schimmer verantwortlich. Die gebürtige Österreicherin arbeitet erstmals am Harztheater und ist insbesondere für humorvolle Bearbeitungen von Opern und Operetten bekannt.

Ihr Ansatz besteht darin, Rossinis Werk als schnelle, pointenreiche Komödie zu erzählen.

Die Figuren sollen nicht nur durch ihre Gesangsleistungen überzeugen, sondern zugleich als lebendige Theatercharaktere erkennbar werden.

Aus Sicht der Regie entsteht die Komik vor allem dann, wenn Menschen versuchen, ihre eigene Vorstellung von der Welt durchzusetzen und dabei mit den Vorstellungen anderer zusammenstoßen.

Dieses Prinzip passt zu den gegensätzlichen Interessen der Figuren: Almaviva will Rosina gewinnen, Bartolo möchte sie für sich behalten und Figaro versucht, mit möglichst großem Geschick alle Hindernisse zu überwinden.

Die Inszenierung soll dabei auch Zuschauer ansprechen, die bislang wenig Erfahrung mit Opernaufführungen haben.

Gesungen wird im italienischen Original. Deutsche Übertitel ermöglichen es dem Publikum, die Handlung und die Dialoge nachzuvollziehen.

Ein Bühnenbild, das sich ständig verändern lässt

Eine besondere Rolle spielt die Ausstattung von Davide Raiola.

Das Bühnenbild orientiert sich an der Entstehungszeit von Rossinis Oper, erweitert diese historische Anmutung jedoch um eine ungewöhnliche Idee.

Große Tafelflächen ermöglichen es den Darstellern, ihre Umgebung mit Kreide selbst zu gestalten.

Was eine Figur aufzeichnet, kann eine andere wieder verändern, ergänzen oder auslöschen.

Damit wird das Bühnenbild zu einem aktiven Bestandteil der Handlung.

Figaro kann seine Einfälle unmittelbar sichtbar machen, während andere Figuren versuchen, seine Entwürfe für ihre eigenen Zwecke umzudeuten.

Diese Gestaltung greift zugleich ein zentrales Thema der Oper auf: Jeder versucht, die Verhältnisse nach seinen Vorstellungen zu verändern.

Die Tafelflächen bieten dafür eine unmittelbar verständliche Bildsprache und eröffnen Möglichkeiten für zusätzliche komische Situationen.

Rossinis Musik treibt die Handlung voran

Musikalisch gehört „Der Barbier von Sevilla“ zu den bekanntesten Werken des italienischen Opernrepertoires.

Rossini komponierte seine Opera buffa in zwei Akten nach einem Libretto von Cesare Sterbini, das auf einer Komödie von Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais beruht.

Die Musik zeichnet sich durch schnelle Rhythmen, virtuose Gesangspassagen und ein ausgeprägtes Gespür für dramatische Zuspitzungen aus.

Besonders die Figur des Figaro ist eng mit der Vorstellung des selbstbewussten, wortgewandten und geschäftstüchtigen Barbiers verbunden.

In Halberstadt übernehmen die Harzer Sinfoniker die musikalische Gestaltung unter der Leitung von Harutyun Muradyan.

Das Zusammenspiel von Orchester, Solisten und Chor bildet die Grundlage für eine Inszenierung, die musikalische Präzision mit einem lebendigen Bühnengeschehen verbinden möchte.

Michael Rapke übernimmt die Rolle des Figaro

Eine zentrale Aufgabe fällt Michael Rapke zu, der als Figaro auf der Bühne steht.

Der Barbier ist die treibende Kraft der Handlung. Er vermittelt zwischen den Liebenden, entwickelt ungewöhnliche Strategien und versteht es, andere Menschen für seine Pläne einzuspannen.

Die Rolle verlangt deshalb nicht nur gesangliches Können, sondern auch schauspielerische Präsenz und komödiantisches Timing.

Neben Rapke gehören weitere Solisten zum Ensemble.

Francisco Huerta übernimmt die Rolle des Grafen Almaviva, während Regina Pätzer als Rosina zu erleben ist.

Samuel Berlad verkörpert Doktor Bartolo. Gijs Nijkamp steht als Don Basilio auf der Bühne, Bettina Pierags als Berta.

Weitere Rollen übernehmen Thomas Kiunke als Fiorillo, Volker Jaremko als Ambrosio sowie Se Jun Park als Offizier.

Mitwirkende des Opernchores und des Verstärkungschores ergänzen die Besetzung. Die Choreinstudierung liegt bei Julija Domaševa.

Oper soll auch ein neues Publikum begeistern

Mit seiner Ankündigung richtet sich das Harztheater ausdrücklich auch an Menschen, die klassische Oper für schwer zugänglich oder zu ernst halten.

Die Produktion soll zeigen, dass Musiktheater zugleich anspruchsvoll und unterhaltsam sein kann.

Dafür setzt die Inszenierung auf eine verständliche Handlung, ausgeprägte Figuren und Situationen, deren Humor sich nicht allein über den gesungenen Text erschließt.

Die deutschen Übertitel erleichtern den Zugang zusätzlich.

Gerade bei einer komischen Oper wie „Der Barbier von Sevilla“ kommt es darauf an, dass Musik und Bühnengeschehen miteinander wirken. Die schnellen Wendungen, Missverständnisse und Verkleidungen bieten dafür zahlreiche Möglichkeiten.

Rossinis Werk bleibt dabei musikalisch im Mittelpunkt. Die Inszenierung versucht jedoch, die jahrhundertealte Geschichte mit einer unmittelbaren, gegenwärtigen Theatererfahrung zu verbinden.

Weitere Aufführungen in Halberstadt und Quedlinburg

Die nächste Aufführung ist für Sonntag, 18. Oktober, im Großen Haus Halberstadt angekündigt.

Weitere Vorstellungen sind am 20. November und 8. Januar ebenfalls in Halberstadt vorgesehen.

In Quedlinburg steht die Oper am 5. Dezember sowie am 11. Februar 2027 auf dem Spielplan.

Damit erhalten Besucher an mehreren Terminen Gelegenheit, die Produktion zu erleben.

Mit „Il barbiere di Siviglia“ setzt das Harztheater auf eine der bekanntesten Komödien der Operngeschichte. Zwischen virtuoser Musik, listigen Verkleidungen und einem wandelbaren Bühnenbild soll ein Theaterabend entstehen, der vor allem eines vermittelt: Oper kann auch ausgesprochen komisch sein.