Die vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge konzipierte Wanderausstellung verbindet historische Erfahrungen aus zwei Weltkriegen mit neueren Konflikten in Bosnien und der Ukraine. Sie macht deutlich, dass mit dem Ende militärischer Auseinandersetzungen noch längst kein dauerhafter Frieden erreicht ist.
Frieden beginnt vor der eigenen Haustür
Zur Eröffnung kamen zahlreiche Interessierte im Laschkewitz-Brehm-Saal des Museums zusammen. Museumsdirektorin Dr. Antje Gornig begrüßte die Gäste und stellte die Verbindung zwischen internationalen Konflikten und dem persönlichen Alltag her.
„Im Kleinen fängt der Frieden an und im Kleinen kann er auch nur wirken“, betonte Gornig.
Ob innerhalb der Familie, im Beruf oder in der Nachbarschaft – friedliches Zusammenleben beginne dort, wo Menschen einander begegnen, Konflikte austragen und nach Verständigung suchen.
Die Museumsdirektorin erinnerte zugleich daran, dass die Folgen von Krieg, Flucht und Vertreibung oft über Generationen hinweg spürbar bleiben. Umso wichtiger sei es, die Erfahrungen der Vergangenheit nicht zu vergessen und sich immer wieder mit ihnen auseinanderzusetzen.
Die Ausstellung ist bereits seit dem 2. Oktober zugänglich. Die ursprünglich für diesen Tag vorgesehene Eröffnungsfeier musste krankheitsbedingt auf den 9. Oktober verschoben werden.
Vom Ersten Weltkrieg bis zum Krieg in der Ukraine
Die Sonderausstellung betrachtet unterschiedliche Wege aus bewaffneten Konflikten. Beispiele aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, dem Bosnienkrieg und dem Krieg in der Ukraine verdeutlichen, wie schwierig der Übergang von Gewalt zu einem friedlichen Zusammenleben sein kann.
Dabei geht es nicht allein um Waffenstillstände und politische Friedensabkommen. Auch Versöhnung, gesellschaftlicher Wiederaufbau und der Umgang mit erlittenem Unrecht spielen eine entscheidende Rolle.
Die Ausstellung wirft Fragen auf, die angesichts aktueller Kriege besondere Bedeutung haben: Wie lassen sich zerstörte Beziehungen wiederherstellen? Wie können Gesellschaften mit traumatischen Erinnerungen umgehen? Und wie entsteht Vertrauen, wenn Menschen zuvor gegeneinander gekämpft haben?
Kriegsgräber als Orte des Erinnerns und Lernens
Andreas Arnsfeld, Landesvorsitzender des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, erläuterte bei der Eröffnung die friedenspädagogische Arbeit seiner Organisation.
Die Aufgaben des Volksbundes beschränken sich längst nicht auf die Pflege und Erhaltung von Kriegsgräberstätten. Diese Orte dienen zugleich der historischen Bildung und der Begegnung zwischen Menschen unterschiedlicher Nationen.
Besonders hob Arnsfeld die internationale Jugendarbeit hervor. Junge Menschen sollen die Möglichkeit erhalten, sich mit Kriegserfahrungen auseinanderzusetzen, historische Zusammenhänge zu verstehen und andere Perspektiven kennenzulernen.
„Frieden entsteht dadurch, dass Menschen bereit sind, Verantwortung zu tragen für die Vergangenheit, Unterschiede auszuhalten und auch miteinander im Gespräch zu sein“, erklärte Arnsfeld.
Politische Bildung soll Verständigung fördern
Auch Maik Reichel, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt, verwies auf die Aktualität des Ausstellungsthemas.
Angesichts der Kriege und Krisen in Europa und anderen Teilen der Welt sei Frieden gerade für jüngere Generationen keine Selbstverständlichkeit mehr.
Politische Vereinbarungen allein könnten ein dauerhaft friedliches Zusammenleben nicht garantieren. Ebenso wichtig seien persönliche Begegnungen, die Bereitschaft zum Perspektivwechsel und ein offener Austausch über unterschiedliche Erfahrungen und Sichtweisen.
„Begegnungen schaffen, in Austausch treten“, nannte Reichel als wichtige Voraussetzungen für gegenseitiges Verständnis.
Die Ausstellung soll deshalb nicht nur historische Informationen vermitteln, sondern Besucher dazu anregen, die eigene Haltung und Verantwortung zu hinterfragen.
Kinder und Jugendliche gestalten Friedensbotschaften aus Ton
Ein besonderer Bestandteil des Begleitprogramms ist der Kreativworkshop „Ton trifft Frieden“ am Donnerstag, 22. Oktober.
Von 10 bis 15 Uhr können Kinder und Jugendliche ab sechs Jahren im Schraube-Museum gemeinsam mit dem Magdeburger Künstler Marcus Barwitzki eigene Tonkacheln gestalten.
Auf ihnen sollen persönliche Vorstellungen und Botschaften zum Frieden sichtbar werden. Künstlerische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Für Verpflegung ist gesorgt.
Die entstandenen Arbeiten fließen in das mehrjährige Gemeinschaftsprojekt „Floris Pax“ ein. Bis zu 2.500 Menschen aus Sachsen-Anhalt und anderen Teilen der Welt sollen daran mitwirken.
Ziel ist ein gemeinschaftlich gestaltetes Friedensdenkmal für den Elbauenpark Magdeburg. Jede Tonkachel wird damit Teil eines größeren Kunstwerks, das für Vielfalt, Toleranz und friedliches Miteinander stehen soll.
Ausstellung bis zum 26. November geöffnet
Die Sonderausstellung „Wege zum Frieden: Kriegsfolgen und Friedensprozesse“ ist noch bis Donnerstag, 26. November 2026, im Schraube-Museum Halberstadt zu sehen.
Zum Abschluss ist am 26. November um 15 Uhr eine Finissage mit einer Führung durch die Ausstellung geplant.
Anmeldungen und weitere Informationen sind per E-Mail an [aufsicht@halberstadt.de](mailto:aufsicht@halberstadt.de) oder telefonisch unter 03941 551474 erhältlich.
Die Ausstellung verbindet das Erinnern an die Folgen vergangener Kriege mit der Frage, wie Frieden in der Gegenwart gestaltet werden kann. Damit richtet sie sich nicht nur an Geschichtsinteressierte, sondern an Menschen aller Generationen.