In Halberstadt wird in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum gefeiert: Seit 100 Jahren gehört der öffentlich aufgestellte „Weihnachtsbaum für Alle“ zur Adventszeit der Stadt. Aus diesem Anlass plant das Städtische Museum Halberstadt eine außergewöhnliche Sonderausstellung. Zehn Weihnachtsbäume sollen mit historischem Schmuck aus jeweils einem Jahrzehnt gestaltet werden. Dafür sucht das Museum jetzt die Unterstützung der Bevölkerung. Gesucht werden alte Christbaumkugeln, Figuren, Sterne, Lametta und selbst gebastelte Dekorationen aus den vergangenen 100 Jahren.
Zehn Weihnachtsbäume erzählen 100 Jahre Geschichte
Am Freitag, dem 27. November 2026, soll die Jubiläumsausstellung im Städtischen Museum Halberstadt eröffnet werden.
Die Idee dahinter ist ebenso einfach wie ungewöhnlich: Im Museum werden zehn Weihnachtsbäume aufgestellt. Jeder einzelne Baum soll ein Jahrzehnt zwischen den 1920er-Jahren und der Gegenwart repräsentieren.
Dabei soll der Weihnachtsschmuck möglichst genau zu seiner jeweiligen Zeit passen.
So könnten Besucher beispielsweise entdecken, wie Weihnachtsbäume vor dem Zweiten Weltkrieg geschmückt wurden, welche Dekorationen während der DDR-Zeit beliebt waren und wie sich die Gestaltung nach der deutschen Wiedervereinigung veränderte.
Damit soll nicht nur die Geschichte des Weihnachtsschmucks sichtbar werden. Die Ausstellung soll auch zeigen, wie sich Traditionen, Materialien und persönliche Vorstellungen vom Weihnachtsfest über mehrere Generationen entwickelt haben.
Museum bittet Einwohner um historische Leihgaben
Um die Ausstellung möglichst authentisch gestalten zu können, sind die Museumsmitarbeiter auf die Mithilfe der Halberstädter angewiesen.
Gesucht werden Weihnachtsdekorationen aus sämtlichen Jahrzehnten der vergangenen 100 Jahre.
Dazu gehören historische Glaskugeln, Baumspitzen, Engel, Sterne, Figuren, Zapfen und Lametta.
Auch selbst gebastelter Schmuck ist ausdrücklich willkommen. Besonders gefragt sind außerdem typische Dekorationen aus der DDR-Zeit, die möglicherweise noch in vielen Familien aufbewahrt werden.
Die Gegenstände sollen dem Museum für die Dauer der Ausstellung als Leihgabe zur Verfügung gestellt werden.
Dabei müssen es keineswegs besonders wertvolle oder seltene Stücke sein. Auch einfacher Weihnachtsschmuck kann einen interessanten Einblick in die Lebensgewohnheiten früherer Generationen ermöglichen.
Persönliche Erinnerungen machen die Ausstellung lebendig
Besonders interessiert sich das Museum für die Geschichten hinter den einzelnen Gegenständen.
Vielleicht stammt eine Christbaumkugel noch von den Großeltern. Möglicherweise wurde ein Stern vor Jahrzehnten von einem Kind gebastelt oder eine Baumspitze über mehrere Generationen weitergegeben.
Die Museumsmitarbeiter möchten deshalb möglichst auch erfahren, seit wann sich der Schmuck im Familienbesitz befindet, wer ihn ursprünglich gekauft oder angefertigt hat und bei welchen Weihnachtsfesten er verwendet wurde.
Solche Erinnerungen sollen in die Gestaltung der Sonderausstellung einfließen.
Auf diese Weise könnte aus einer Sammlung historischer Dekorationen zugleich eine Ausstellung über das Familienleben in Halberstadt entstehen.
Denn Weihnachtsschmuck ist häufig eng mit persönlichen Erlebnissen verbunden. Einzelne Gegenstände werden über Jahrzehnte aufbewahrt und erinnern an Menschen, die längst nicht mehr leben, an besondere Weihnachtsfeste oder an die Kindheit.
Die geplante Ausstellung soll diese Geschichten bewahren und für andere Besucher erfahrbar machen.
Der erste öffentliche Weihnachtsbaum stand 1926
Die Tradition des öffentlichen Weihnachtsbaums in Halberstadt reicht bis in den Advent 1926 zurück.
Historische Fotografien zeigen bereits damals einen festlich beleuchteten Weihnachtsbaum vor der Martinikirche.
Der Baum entwickelte sich zu einem festen Bestandteil der Advents- und Weihnachtszeit in der Stadt.
Im Laufe der Jahrzehnte wechselte sein Standort mehrfach.
Öffentliche Weihnachtsbäume standen unter anderem am Martiniplan, auf dem Breiten Weg, auf dem Domplatz und am Johannesbrunnen.
Die wechselnden Standorte spiegeln auch Veränderungen im Stadtbild und im öffentlichen Leben Halberstadts wider.
Trotz unterschiedlicher historischer Epochen blieb die Tradition eines gemeinschaftlichen Weihnachtsbaums erhalten.
Seit 2021 wächst wieder eine Tanne an der Martinikirche
Eine besondere Rückkehr erlebte die Tradition im Dezember 2021.
Damals wurde nach 95 Jahren erneut ein lebender Weihnachtsbaum an der Martinikirche gepflanzt.
Bei dem Baum handelt es sich um eine Coloradotanne, die seitdem dauerhaft an ihrem Standort wächst.
Anders als ein jedes Jahr neu aufgestellter und später wieder entfernter Weihnachtsbaum bleibt die Tanne ganzjährig Teil des Stadtbildes.
In der Adventszeit wird sie zum festlichen Mittelpunkt des Martiniplans.
Damit knüpft Halberstadt unmittelbar an die Ursprünge der Tradition von 1926 an.
Das hundertjährige Jubiläum im Jahr 2026 bietet nun die Gelegenheit, auf diese lange Geschichte zurückzublicken.
Weihnachtsgeschichte aus der Sicht der Halberstädter
Die Museumsleitung möchte mit dem Projekt ausdrücklich die Bevölkerung einbeziehen.
Museumsdirektorin Dr. Antje J. Gornig hofft darauf, dass viele Einwohner ihre Weihnachtskisten, Keller und Dachböden nach historischen Erinnerungsstücken durchsuchen.
„Vielleicht schlummert auch auf Ihrem Dachboden, im Keller oder in der Weihnachtskiste noch ein kleines Stück Halberstädter Weihnachtsgeschichte?“, fragt die Museumsdirektorin.
Gerade durch die privaten Leihgaben soll eine Ausstellung entstehen, in der sich möglichst viele Menschen mit ihren persönlichen Erfahrungen wiederfinden können.
Dabei können Gegenstände aus ganz unterschiedlichen Lebensabschnitten zusammenkommen: von den Weihnachtsfesten der Großeltern über Erinnerungen an die DDR bis zu Dekorationen aus den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung.
Die Ausstellung soll damit zeigen, wie eng Stadtgeschichte und persönliche Familiengeschichte miteinander verbunden sind.
Leihgaben können bis zum 6. November angemeldet werden
Wer historischen Weihnachtsschmuck besitzt und ihn für die geplante Sonderausstellung zur Verfügung stellen möchte, kann sich noch bis zum 6. November 2026 beim Städtischen Museum Halberstadt melden.
Interessierte erreichen das Museum telefonisch unter 03941 551472 oder per E-Mail an [staedtischesmuseum@halberstadt.de](mailto:staedtischesmuseum@halberstadt.de).
Besonders hilfreich sind neben den Gegenständen auch Informationen über deren Herkunft und die damit verbundenen Erinnerungen.
Die Ausstellung soll am 27. November eröffnet werden und das hundertjährige Bestehen des „Weihnachtsbaums für Alle“ würdigen.
Mit den zehn unterschiedlich geschmückten Weihnachtsbäumen möchte das Museum einen Blick auf ein Jahrhundert Weihnachtskultur ermöglichen.
Gleichzeitig entsteht die Gelegenheit, persönliche Erinnerungen zu bewahren und zu zeigen, wie sich das Weihnachtsfest in Halberstädter Familien über Generationen verändert hat.