Kleine Entdecker auf den Spuren der Fürsten
HALBERSTADT. Für die Mädchen und Jungen der Kita „Storchenkinder“ aus Emersleben begann der Tag mit einer besonderen Reise in die Vergangenheit. Mit einem Kleinbus ging es nach Halberstadt, wo für viele Kinder der erste Besuch im Städtischen Museum auf dem Programm stand.
Dort warteten archäologische Schätze aus ihrem eigenen Heimatort. Vor rund 85 Jahren waren in einer Tonabbaugrube in Emersleben außergewöhnlich reich ausgestattete Gräber zweier Männer aus der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts nach Christus entdeckt worden.
Die sogenannten Fürstengräber zählen heute zu den bedeutenden Beständen der archäologischen Sammlung des Museums, die insgesamt mehr als 300.000 Objekte umfasst.
Goldene Fundstücke aus nächster Nähe
Im Zusammenhang mit einer archäologischen Fachtagung konnten ausgewählte Originalfunde erstmals für kurze Zeit besonders prominent präsentiert werden. Dazu gehörten unter anderem ein goldener Armring und ein Fingerring.
Die Tagung „Reich und Schön? Die Fürstengräber der jüngeren Römischen Kaiserzeit aus Emersleben“ hatte Ende August Wissenschaftler aus Deutschland und Polen nach Halberstadt geführt. Sie markierte zugleich den Auftakt für eine neue wissenschaftliche Beschäftigung mit den beiden Grablegen.
Ein wichtiger Bestandteil des Projekts ist die Vermittlung der Forschung an die Bevölkerung. Dabei wurden bewusst bereits die jüngsten Einwohner Emerslebens einbezogen.
Archäologie schon in der Kita
Dem Museumsbesuch waren mehrere Projekttage in der Kindertagesstätte vorausgegangen. Spielerisch näherten sich die Kinder der Geschichte ihres Heimatortes.
In einer Sandkiste warteten beispielsweise archäologische Fundtüten darauf, entdeckt zu werden. Mit Golddraht konnten die Kinder anschließend eigene „Fürstenarmbänder“ gestalten.
Auch eine besondere Spendenbox entstand im Rahmen des Projekts. Jedes Kind suchte sich eine Beigabe aus den historischen Gräbern aus und gestaltete sie mit Goldfolie nach. Die kleinen Kunstwerke schmücken nun eine eigens angefertigte Kassette.
Das darin gesammelte Geld soll für die Restaurierung archäologischer Objekte verwendet werden.
Museumsdirektorin führt Kinder persönlich durch die Ausstellung
Museumsdirektorin Dr. Antje J. Gornig nahm sich für die jungen Gäste persönlich Zeit und führte die Gruppe durch die Ausstellungsräume.
Danach ging es weiter ins Halberstädter Rathaus. Dort konnten die Kinder ihre eigene Ausstellung betrachten. Während der Projekttage hatten sie sich mit der Frage beschäftigt, wie ein germanischer Fürst ausgesehen haben könnte.
Entstanden sind farbenfrohe Darstellungen der beiden Männer mit historischen Kleidungsstücken und Beigaben aus Gold-, Silber- und Bronzefolie.
Zum Abschluss der Zeitreise gab es vor dem Rathaus noch ein Eis – mit Blick auf den Halberstädter Roland.
Weitere Zusammenarbeit mit Emersleben geplant
Mit dem Projekt will das Städtische Museum Kinder für Geschichte und Archäologie begeistern und ihnen zeigen, welche bedeutenden Zeugnisse der Vergangenheit direkt vor ihrer Haustür liegen.
Gleichzeitig soll der Besuch den Grundstein für weitere Kooperationen mit der Kita und anderen Einrichtungen in Emersleben legen.
Die Hoffnung: Die jungen „Storchenkinder“ tragen ihre Begeisterung weiter und machen auch Eltern, Großeltern und Freunde neugierig auf die Geschichte ihres Heimatortes.