Greifswald. Für zehn Tage konnten 15 Kinder aus der Ukraine den Kriegsalltag hinter sich lassen. Die Universitäts- und Hansestadt Greifswald hatte die 12- bis 13-Jährigen aus ihrer ukrainischen Partnerstadt Drohobytsch zu einem Erholungsaufenthalt eingeladen. Vom 5. bis zum 15. Oktober erlebten sie gemeinsam mit zwei Betreuerinnen ein abwechslungsreiches Programm mit Ausflügen, Begegnungen und Freizeitaktivitäten.

Für die jungen Gäste ging es dabei um mehr als einen gewöhnlichen Ferienaufenthalt. Die Stadt wollte ihnen eine Auszeit von den Belastungen ermöglichen, die der Krieg in ihrer Heimat mit sich bringt. In Greifswald fanden die Kinder für einige Tage ein sicheres Umfeld, konnten neue Eindrücke sammeln und gemeinsam Zeit verbringen.

Ein Versprechen aus dem Jahr 2024 eingelöst

Die Einladung geht auf einen Besuch einer Greifswalder Delegation in Drohobytsch im Mai 2024 zurück.

Damals hatte Oberbürgermeister Stefan Fassbinder gemeinsam mit weiteren Delegationsmitgliedern das Lyzeum Nr. 2 des Stadtrates Drohobytsch besucht. Bei dieser Gelegenheit wurde den Schülerinnen und Schülern ein Erholungsaufenthalt in Greifswald in Aussicht gestellt.

Gut zwei Jahre später konnte die Stadt dieses Versprechen einlösen.

Die 15 Kinder stammen aus dem Lyzeum Nr. 2 in Drohobytsch, einer Stadt in der westukrainischen Region Lwiw. Sie liegt unweit der polnischen Grenze und ist ungefähr so groß wie Greifswald.

Obwohl die Stadt weit von den besonders umkämpften Frontabschnitten entfernt liegt, gehört der Krieg auch dort zum Alltag der Bevölkerung.

Der Aufenthalt in Deutschland sollte den Kindern deshalb vor allem Gelegenheit geben, Abstand zu gewinnen und neue Erfahrungen zu sammeln.

Freizeitbad, Museum und Begegnungen mit Gleichaltrigen

Für die Gruppe hatten die Organisatoren ein Programm zusammengestellt, das Erholung mit kulturellem Austausch verband.

Die Kinder besuchten unter anderem ein Freizeitbad, erkundeten die Greifswalder Stadtbibliothek und lernten das Pommersche Landesmuseum kennen.

Auch die ComputerSpielSchule gehörte zu den Stationen.

Beim offenen Jugendangebot JUST der Altstadtgemeinden und bei einem Treffen mit Pfadfindern hatten die jungen Gäste Gelegenheit, andere Freizeitangebote kennenzulernen.

Dabei standen nicht Unterricht oder offizielle Programmpunkte im Mittelpunkt, sondern gemeinsame Erlebnisse und Begegnungen.

Am Wochenende begleiteten Mitglieder der ukrainischen Gemeinschaft in Greifswald die Gruppe bei weiteren Ausflügen.

Gemeinsam besuchten sie Karls Erlebnisdorf in Rövershagen und den Greifswalder Tierpark.

Gerade solche Unternehmungen sollten den Kindern ermöglichen, für einige Stunden ganz gewöhnliche Freizeitaktivitäten zu genießen.

Feuerwehr lädt zum gemeinsamen Abschied ein

Zum Abschluss des Aufenthalts organisierte die Greifswalder Feuerwehr einen Grillabend.

Dort kamen die Kinder, ihre Betreuerinnen und zahlreiche Menschen zusammen, die den Besuch unterstützt hatten.

Der gemeinsame Abend bildete den Abschluss einer Reise, bei der sich viele Greifswalder Einrichtungen und Initiativen eingebracht hatten.

Die Stadtverwaltung hob insbesondere das Engagement der beteiligten Organisationen hervor, durch das der Aufenthalt möglich wurde.

Neben der Sparkasse Vorpommern und den Stadtwerken Greifswald unterstützten auch BTB Bustouristik Torsten Behm, die Tierpark Greifswald gGmbH und das Programm Europe Prykhystok das Vorhaben.

Greifswald und Drohobytsch seit 2017 verbunden

Zwischen Greifswald und Drohobytsch bestehen bereits seit 2017 freundschaftliche Beziehungen.

Die beiden Städte pflegen einen regelmäßigen Austausch zu unterschiedlichen Themen. Mit dem Erholungsaufenthalt wurde diese Zusammenarbeit um eine weitere persönliche Begegnung ergänzt.

Solche kommunalen Kontakte haben seit Beginn des russischen Angriffskrieges zusätzliche Bedeutung gewonnen. Sie ermöglichen Unterstützung und Austausch auch unabhängig von der großen internationalen Politik.

Für die 15 Kinder ging die Reise am 15. Oktober zu Ende.

Was bleibt, sind die Erinnerungen an Ausflüge, gemeinsame Aktivitäten und Begegnungen mit Menschen, die ihnen während ihres Aufenthalts einen möglichst unbeschwerten Alltag ermöglichen wollten.

Mit der Einladung hat Greifswald ein zwei Jahre altes Versprechen eingelöst und zugleich ein Zeichen der Verbundenheit mit seiner ukrainischen Partnerstadt gesetzt.