Greifswald. Eine erfahrene Herzchirurgin, die nicht nur Patienten behandelt, sondern auch die berufliche Zukunft anderer Frauen mitgestaltet: Dr. Elpiniki Katsari von der Universitätsmedizin Greifswald ist von der Deutschen Gesellschaft für Mentoring zur „Mentorin des Jahres 2026“ gekürt worden. Die Fachärztin für Herzchirurgie und Allgemeine Chirurgie engagiert sich seit Jahren für den medizinischen Nachwuchs, die Förderung von Frauen in Führungspositionen und die geschlechterspezifische Medizin. Mit der Auszeichnung würdigt die Fachgesellschaft ihr außergewöhnliches Engagement, das weit über ihre ärztliche Tätigkeit hinausreicht.

Seit vier Jahren ist Katsari im Mentoring-Netzwerk aktiv. In einem europaweiten Programm begleitet sie Frauen, die beruflich mehr Verantwortung übernehmen und Führungspositionen erreichen möchten. Dabei geht es nicht nur um Karriereplanung, sondern auch um persönliche Entwicklung, Selbstvertrauen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Herzchirurgin engagiert sich für die nächste Generation

Die Jury der Deutschen Gesellschaft für Mentoring begründet ihre Entscheidung insbesondere mit dem vielfältigen und langjährigen Engagement der Greifswalder Ärztin.

Katsari unterstützt unter anderem das landesweite Cross-Mentoring-Programm „Aufstieg im Unternehmen“. Dabei werden Frauen auf ihrem beruflichen Weg begleitet und beim Erwerb von Führungskompetenzen unterstützt.

Auch innerhalb der Universitätsmedizin Greifswald setzt sie sich intensiv für die Nachwuchsförderung ein.

Seit Jahren organisiert sie den Girls' Day an der Einrichtung. Der bundesweite Aktionstag soll Mädchen und jungen Frauen Einblicke in Berufe und Tätigkeitsfelder ermöglichen, in denen Frauen bislang häufig unterrepräsentiert sind.

Gerade in der Medizin können solche Angebote dazu beitragen, frühzeitig Interesse an unterschiedlichen Fachrichtungen zu wecken und berufliche Perspektiven sichtbar zu machen.

Darüber hinaus beteiligt sich Katsari am interdisziplinären Verbundprojekt „Inklusive Exzellenz in der Medizin“, kurz InkE. Das Projekt beschäftigt sich mit Fragen der Chancengleichheit und der Förderung unterschiedlicher Karrierewege in der Medizin.

Frauen auf dem Weg in Führungspositionen begleiten

Ein wesentlicher Bestandteil ihrer Tätigkeit ist das persönliche Mentoring.

Dabei begleitet Katsari jeweils eine Frau über einen Zeitraum von etwa einem Jahr. Die Unterstützung orientiert sich an den individuellen beruflichen Zielen der Teilnehmerin.

Nicht jede Mentee verfolgt dieselben Vorstellungen.

Einige möchten lernen, sicherer vor Fachpublikum aufzutreten. Andere suchen nach geeigneten Strategien für den beruflichen Aufstieg oder möchten sich auf ein Bewerbungsgespräch vorbereiten.

Auch die Frage, wie sich familiäre Sorgearbeit und eine anspruchsvolle berufliche Laufbahn miteinander verbinden lassen, spielt in den Gesprächen eine Rolle.

Katsari legt Wert darauf, zunächst die persönliche Situation und die Vorstellungen der jeweiligen Teilnehmerin kennenzulernen.

„In einem lockeren Gespräch [wird] besprochen, welches Ziel die andere überhaupt anstrebt“, erläutert sie ihre Vorgehensweise.

Erst danach werden mögliche Schritte und Unterstützungsangebote besprochen.

Regelmäßige Gespräche schaffen Vertrauen

Die Zusammenarbeit zwischen Mentorin und Mentee ist auf Kontinuität ausgelegt.

Nach Angaben Katsaris finden die persönlichen Treffen etwa alle vier bis sechs Wochen statt.

Die Gespräche sollen bewusst in einer offenen und entspannten Atmosphäre geführt werden.

„Das sind entspannte Gespräche, sehr angenehm“, berichtet die Ärztin.

Mittlerweile begleitet sie bereits ihre vierte Mentee.

Besonders bemerkenswert ist, dass die Kontakte häufig über das eigentliche Programm hinaus bestehen bleiben.

Mit ihren früheren Mentees sei sie weiterhin freundschaftlich verbunden, erklärt Katsari.

Damit entsteht aus einer zunächst zeitlich begrenzten beruflichen Unterstützung häufig ein langfristiger persönlicher Austausch.

Gerade solche Netzwerke können für Frauen von Bedeutung sein, die in ihrem Berufsleben neue Aufgaben übernehmen oder sich innerhalb bestehender Strukturen weiterentwickeln möchten.

Geschlechterspezifische Medizin als weiterer Schwerpunkt

Neben der beruflichen Förderung von Frauen engagiert sich Katsari für die geschlechterspezifische Medizin.

Dabei geht es um die Frage, welche Unterschiede zwischen Frauen und Männern bei Erkrankungen, Symptomen, Diagnoseverfahren und Behandlungen berücksichtigt werden müssen.

In der medizinischen Forschung wurden solche Unterschiede lange nicht in allen Bereichen ausreichend untersucht.

Die geschlechterspezifische Medizin beschäftigt sich deshalb damit, wie biologische und weitere geschlechtsbezogene Faktoren die Gesundheit beeinflussen können.

Ziel ist eine medizinische Versorgung, die individuelle Unterschiede stärker berücksichtigt und dadurch Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten verbessert.

Katsari ist in der Deutschen Gesellschaft für Geschlechtsspezifische Medizin aktiv und hält regelmäßig Vorträge zu diesem Themengebiet.

Ihre Tätigkeit als Mentorin begann nach eigenen Angaben sogar mit entsprechenden Fachvorträgen für die Gesellschaft.

Aus dem fachlichen Austausch entwickelte sich schließlich die persönliche Begleitung ihrer ersten Mentee.

Ärztinnenbund in Mecklenburg-Vorpommern geleitet

Die ausgezeichnete Medizinerin engagiert sich zudem berufspolitisch.

Sie ist Vorsitzende der Regionalgruppe Mecklenburg-Vorpommern des Deutschen Ärztinnenbundes.

Der Verband setzt sich unter anderem für die beruflichen Interessen von Ärztinnen, eine gleichberechtigte Teilhabe in der Medizin und bessere Entwicklungsmöglichkeiten ein.

In dieser Funktion arbeitet Katsari an der Vernetzung von Medizinerinnen und beteiligt sich an Veranstaltungen und fachlichen Diskussionen.

Auch das Engagement innerhalb der Universitätsmedizin Greifswald reicht über ihre eigentliche medizinische Tätigkeit hinaus.

Bei öffentlichen Veranstaltungen vermittelt sie medizinische Zusammenhänge an interessierte Besucher und unterstützt den Austausch zwischen Forschung, medizinischer Praxis und Öffentlichkeit.

Vorstand der Universitätsmedizin gratuliert

Die Auszeichnung wird auch innerhalb der Universitätsmedizin Greifswald ausdrücklich begrüßt.

Prof. Klaus Hahnenkamp, Vorstandsvorsitzender der Universitätsmedizin, würdigt das außergewöhnliche Engagement seiner Kollegin.

„Frau Katsari ist für ihr großes Engagement bekannt“, erklärt Hahnenkamp.

Er verweist dabei auf verschiedene Aktivitäten, mit denen Katsari die Einrichtung nach innen und außen mitgestaltet.

So führte sie Besucher bei einem Tag der offenen Tür durch das große Herzmodell im Foyer der Universitätsmedizin.

Erst kürzlich organisierte sie außerdem eine Veranstaltung des Ärztinnenbundes in Greifswald.

Auch als Referentin für geschlechterspezifische Medizin sei sie regelmäßig gefragt.

„Der gesamte Vorstand gratuliert ihr herzlich“, betont Hahnenkamp.

Mentoring soll berufliche Chancen verbessern

Die Deutsche Gesellschaft für Mentoring zeichnet mit ihrem Preis Menschen aus, die sich in besonderer Weise für die persönliche und berufliche Entwicklung anderer engagieren.

Die Gesellschaft arbeitet bundesweit und zertifiziert verschiedene Mentoring-Programme, um deren Qualität zu sichern.

Solche Programme sollen insbesondere Menschen unterstützen, die neue berufliche Aufgaben übernehmen oder Führungsverantwortung anstreben.

Dabei steht nicht die unmittelbare Vermittlung eines Arbeitsplatzes im Vordergrund.

Vielmehr geht es darum, Erfahrungen weiterzugeben, Orientierung zu bieten und persönliche Kompetenzen zu stärken.

Gerade in anspruchsvollen Berufsfeldern wie der Medizin kann der Austausch mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen hilfreich sein.

Karriereentscheidungen, wissenschaftliche Qualifikationen und Führungsaufgaben stellen hohe Anforderungen. Eine persönliche Begleitung kann dabei helfen, eigene Ziele klarer zu formulieren und mögliche Schwierigkeiten frühzeitig zu erkennen.

Auszeichnung stärkt den Medizinstandort Greifswald

Mit der Ernennung zur „Mentorin des Jahres 2026“ wird auch das Engagement der Universitätsmedizin Greifswald in der Nachwuchsförderung sichtbar.

Katsari verbindet ihre Tätigkeit als Herzchirurgin mit verschiedenen Aufgaben in Wissenschaft, Lehre, Gleichstellung und beruflicher Vernetzung.

Dabei setzt sie sowohl auf institutionelle Projekte als auch auf den persönlichen Austausch mit einzelnen Nachwuchskräften.

Die Auszeichnung zeigt, dass die Förderung medizinischer Fachkräfte nicht ausschließlich in Vorlesungen, praktischen Ausbildungsabschnitten und wissenschaftlichen Qualifikationen stattfindet.

Auch persönliche Begleitung, Erfahrungsaustausch und verlässliche Netzwerke können die Entwicklung beruflicher Perspektiven unterstützen.

Für Katsari ist diese Arbeit längst zu einem festen Bestandteil ihres Engagements geworden.

Mit inzwischen vier betreuten Mentees und zahlreichen weiteren Aktivitäten trägt sie dazu bei, Frauen in ihrer beruflichen Entwicklung zu stärken und die Universitätsmedizin Greifswald als Ort der Nachwuchsförderung weiterzuentwickeln.