Görlitz. Manchmal braucht es nicht viel, um einem Menschen den Krankenhausaufenthalt ein wenig leichter zu machen. Ein freundliches Gespräch, ein paar Minuten gemeinsamer Zeit oder einfach jemanden, der zuhört. Genau dafür engagieren sich derzeit 14 Frauen und Männer im ehrenamtlichen Besuchsdienst des Städtischen Klinikums Görlitz. Viele von ihnen kommen einmal pro Woche ins Krankenhaus, um Patienten Gesellschaft zu leisten. Bei einem gemeinsamen Treffen hat die Geschäftsführung nun den Einsatz der Freiwilligen gewürdigt. Zwei Helferinnen sind bereits seit zehn Jahren dabei.
Zwei Frauen engagieren sich seit einem Jahrzehnt
Für Irene Eckert und Anni Pohl gab es bei dem Treffen einen besonderen Anlass zur Freude. Beide gehören dem ehrenamtlichen Besuchsdienst seit mittlerweile zehn Jahren an.
Geschäftsführerin Ines Hofmann überreichte ihnen als Dankeschön Blumen.
Bei Kaffee und Kuchen tauschten sich die Ehrenamtlichen über ihre Erfahrungen aus den vergangenen Monaten aus. Dabei ging es vor allem um die Begegnungen mit den Menschen auf den Stationen.
Manche Patienten wünschen sich ein längeres Gespräch. Andere freuen sich schon darüber, dass jemand kurz vorbeischaut und nach ihrem Befinden fragt.
Gerade für Menschen, deren Angehörige weit entfernt wohnen oder die nur selten Besuch erhalten, kann diese persönliche Zuwendung besonders wichtig sein.
Ein offenes Ohr für Menschen im Krankenhaus
Anni Pohl wurde vor zehn Jahren durch ein Plakat auf den ehrenamtlichen Besuchsdienst aufmerksam.
Besonders ältere Patienten liegen ihr am Herzen.
„Wenn jemand allein ist, ist es doch schade, wenn ihn niemand besucht“, sagt sie.
Bis heute kommt sie in der Regel einmal wöchentlich ins Klinikum.
Sie klopft an die Tür, stellt sich vor und fragt, ob ein Gespräch oder etwas Gesellschaft willkommen ist.
Nicht jeder Patient möchte Besuch. Die Ehrenamtlichen respektieren deshalb die persönlichen Wünsche der Menschen.
Wo ein Gespräch zustande kommt, kann daraus eine wertvolle Begegnung entstehen.
Es geht nicht darum, medizinische oder pflegerische Aufgaben zu übernehmen. Vielmehr ergänzt der Besuchsdienst die Versorgung im Krankenhaus durch menschliche Nähe und Aufmerksamkeit.
Besuchsdienst besteht seit August 2015
Der ehrenamtliche Besuchsdienst wurde im August 2015 zunächst in der Geriatrie des Städtischen Klinikums Görlitz aufgebaut.
Die Geriatrie ist auf die medizinische Versorgung älterer Menschen spezialisiert.
Im Laufe der Jahre wurde das Angebot erweitert. Heute besuchen die Ehrenamtlichen Patienten auf insgesamt acht Stationen.
Koordiniert wird der Dienst von Juliane Haymerle aus dem Zentrum für Altersmedizin und dem Geriatrie-Netzwerk Ostsachsen.
Sie organisiert die Einsätze und unterstützt den regelmäßigen Austausch innerhalb der Gruppe.
Einmal im Monat treffen sich die Ehrenamtlichen. Hinzu kommen ein gemeinsames Sommerfest und eine Weihnachtsfeier.
Diese Treffen dienen nicht nur der Organisation, sondern stärken auch den Zusammenhalt der Freiwilligen.
Klinikleitung dankt für persönliche Zuwendung
Geschäftsführerin Ines Hofmann würdigte das Engagement der Besuchsdienstgruppe.
„Unsere Ehrenamtlichen bringen etwas mit, das sich nicht verordnen lässt: Zeit für einen anderen Menschen“, erklärte sie.
Die Freiwilligen hörten zu, führten Gespräche und schenkten den Patienten persönliche Aufmerksamkeit.
Besonders die langjährige Treue einzelner Helferinnen und Helfer verdiene große Anerkennung.
Auch Prof. Dr. Stefan Zeller, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin II und Geriatrie, unterstützt den Besuchsdienst seit vielen Jahren.
Er betont, dass ein Krankenhausaufenthalt insbesondere für ältere oder alleinstehende Menschen eine belastende Erfahrung sein könne.
Die Ehrenamtlichen schafften zusätzliche persönliche Begegnungen und leisteten damit einen Beitrag zum Wohlbefinden der Patienten.
Warum ein Besuch so wichtig sein kann
Ein Krankenhausaufenthalt verändert den gewohnten Alltag oft von einem Tag auf den anderen.
Viele Patienten müssen sich mit gesundheitlichen Beschwerden, Untersuchungen und Unsicherheit auseinandersetzen.
Hinzu kommt, dass das vertraute soziale Umfeld plötzlich fehlt.
Besonders Menschen, die allein leben oder deren Angehörige nicht regelmäßig vorbeikommen können, erleben diese Situation möglicherweise als belastend.
Ein ehrenamtlicher Besuch kann dabei helfen, den Klinikalltag für einen Moment in den Hintergrund treten zu lassen.
Manchmal geht es um persönliche Erinnerungen, manchmal um alltägliche Dinge. Nicht immer müssen schwierige Themen besprochen werden.
Schon das Gefühl, dass sich jemand freiwillig Zeit nimmt, kann von großer Bedeutung sein.
14 Ehrenamtliche machen den Unterschied
Der Besuchsdienst des Städtischen Klinikums Görlitz zeigt, welche Rolle freiwilliges Engagement auch innerhalb großer medizinischer Einrichtungen spielen kann.
Die derzeit 14 Ehrenamtlichen leisten ihre Arbeit neben ihren persönlichen und beruflichen Verpflichtungen.
Ihr Einsatz ergänzt die medizinische und pflegerische Versorgung, ohne sie zu ersetzen.
Dass einige Helferinnen und Helfer bereits seit vielen Jahren regelmäßig ins Klinikum kommen, spricht für die Verbundenheit mit dieser Aufgabe.
Mit der Würdigung von Irene Eckert und Anni Pohl erinnert das Krankenhaus zugleich daran, dass ehrenamtliche Arbeit häufig im Stillen geschieht.
Die Freiwilligen schenken etwas, das im oft hektischen Krankenhausalltag besonders wertvoll ist: Zeit, Aufmerksamkeit und das Gefühl, nicht allein zu sein.
Für viele Patienten kann genau das einen Unterschied machen.