Moskau/Kiew. Russland meldet einen außergewöhnlich schweren Drohnenangriff auf seine Hauptstadt. Nach Angaben des Moskauer Bürgermeisters Sergej Sobjanin hat die russische Luftabwehr zuletzt 195 unbemannte Flugkörper abgefangen, die sich in Richtung Moskau bewegt hätten. Gleichzeitig warnt die ukrainische Führung vor gravierenden Einschränkungen beim militärisch wichtigen Satelliteninternet Starlink. Damit geraten zwei entscheidende Bereiche der modernen Kriegsführung gleichzeitig in den Mittelpunkt: die Abwehr weitreichender Drohnenangriffe und die Kontrolle über digitale Kommunikationssysteme.

Die russischen Angaben wurden am Sonntagmorgen, 18. Oktober 2026, bekannt. Eine unabhängige Bestätigung der genannten Drohnenzahl lag zunächst nicht vor. Auch eine ukrainische Stellungnahme zu den gemeldeten Angriffen stand aus.

Der Flugverkehr rund um Moskau wurde zeitweise beeinträchtigt. Die Flughäfen Domodedowo und Wnukowo unterbrachen vorübergehend ihren Betrieb.

Russische Luftabwehr meldet 195 abgefangene Drohnen

Nach Darstellung der Moskauer Stadtverwaltung richtete sich die jüngste Angriffswelle gegen die russische Hauptstadtregion.

Bürgermeister Sobjanin veröffentlichte entsprechende Angaben über seinen Telegram-Kanal. Demnach habe die Luftabwehr insgesamt 195 Drohnen zerstört, die auf Moskau zugeflogen seien.

Wie viele Flugkörper tatsächlich eingesetzt wurden und welche Ziele möglicherweise getroffen werden sollten, blieb zunächst unklar.

Ebenso lagen keine unabhängig bestätigten Informationen über das genaue Ausmaß möglicher Schäden vor.

Die vorübergehende Schließung der Flughäfen zeigt allerdings, dass die russischen Behörden eine erhebliche Gefahr für den zivilen Luftverkehr sahen.

Solche Maßnahmen können auch dann notwendig werden, wenn Drohnen noch nicht unmittelbar über einem Flughafen fliegen. Herabfallende Trümmerteile oder die Gefahr weiterer Angriffe können ausreichen, um Starts und Landungen auszusetzen.

Drohnen verändern den Krieg zunehmend

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine wird längst nicht mehr ausschließlich mit Panzern, Artillerie und bemannten Kampfflugzeugen geführt.

Unbemannte Systeme spielen eine immer größere Rolle.

Beide Kriegsparteien nutzen Drohnen zur Aufklärung, zur Überwachung militärischer Bewegungen und für Angriffe auf Infrastruktur sowie militärische Ziele.

Insbesondere weitreichende Drohnen ermöglichen es, Anlagen tief im gegnerischen Hinterland anzugreifen.

Die Ukraine hat wiederholt russische Raffinerien und andere Einrichtungen der Energieversorgung ins Visier genommen. Kiew begründet solche Operationen mit dem Ziel, die Finanzierung und Versorgung der russischen Kriegsführung zu beeinträchtigen.

Russland wiederum setzt Drohnen und Raketen in großem Umfang gegen ukrainische Städte und Energieanlagen ein.

Die Angriffe verursachen nicht nur militärische Schäden. Sie gefährden auch die Zivilbevölkerung und können den Betrieb wichtiger Versorgungseinrichtungen unterbrechen.

Selenskyj beklagt Einschränkungen bei Starlink

Während Russland die Drohnenangriffe auf Moskau meldet, beschäftigt die Ukraine ein anderes Problem.

Präsident Wolodymyr Selenskyj hat erneut erklärt, dass der Satelliteninternetdienst Starlink in seinem Land nur eingeschränkt funktioniere.

Nach ukrainischen Angaben betreffen die Beschränkungen insbesondere bestimmte Anwendungen bei schnell bewegten Flugobjekten.

Selenskyj verwies auf eine Geschwindigkeitsgrenze von rund 160 Kilometern pro Stunde, oberhalb derer die Kommunikation nicht mehr wie bisher möglich sei.

Die genaue technische Funktionsweise dieser Einschränkung und die Verantwortlichkeiten konnten zunächst nicht unabhängig geklärt werden.

Starlink ist für die ukrainischen Streitkräfte von großer Bedeutung. Der Dienst ermöglicht die Datenübertragung auch dort, wo Mobilfunknetze zerstört wurden oder andere Kommunikationsverbindungen ausfallen.

Zudem werden satellitengestützte Verbindungen für verschiedene militärische Anwendungen genutzt.

Streit zwischen Kiew, Washington und SpaceX

Die Einschränkungen haben inzwischen auch eine politische Dimension.

Der ukrainische Präsident kritisiert, dass die veränderte Verfügbarkeit des Dienstes militärische Operationen erschwere und Menschenleben gefährden könne.

SpaceX-Gründer Elon Musk und US-Präsident Donald Trump haben die ihnen zugeschriebene Verantwortung für die Einschränkungen zurückgewiesen.

Welche politischen, technischen oder vertraglichen Entscheidungen tatsächlich ursächlich sind, ist weiterhin umstritten.

Für die Ukraine entsteht dadurch eine erhebliche Unsicherheit.

Ein militärisch wichtiges Kommunikationssystem, das nicht vollständig unter eigener staatlicher Kontrolle steht, kann im Ernstfall zum strategischen Risiko werden.

Die Streitkräfte müssen sich deshalb mit der Frage beschäftigen, wie alternative Verbindungen ausgebaut und bestehende Systeme gegen Ausfälle abgesichert werden können.

Russland arbeitet an eigener Satelliteninfrastruktur

Parallel zu den aktuellen Problemen der Ukraine versucht Russland, eigene satellitengestützte Kommunikationsmöglichkeiten auszubauen.

Im Mittelpunkt steht unter anderem das geplante Satellitennetzwerk Rassvet.

Es soll perspektivisch schnelle Datenverbindungen ermöglichen und könnte damit auch für militärische Anwendungen wichtig werden.

Ob und wann das System tatsächlich einen vergleichbaren Leistungsumfang wie Starlink erreicht, ist allerdings offen.

Die technische Entwicklung erfordert eine große Zahl einsatzfähiger Satelliten, leistungsfähige Bodenstationen und erhebliche finanzielle Mittel.

Bereits jetzt zeigt sich jedoch, dass der Wettbewerb um Kommunikationssysteme zu einem wichtigen Bestandteil moderner militärischer Auseinandersetzungen geworden ist.

Neue Unsicherheit für die Ukraine

Die Entwicklungen fallen in eine schwierige Phase der Beziehungen zwischen Kiew und Washington.

Die amerikanische Regierung hat zuletzt ihre Haltung gegenüber Russland in mehreren wirtschaftspolitischen Fragen verändert.

Gleichzeitig stehen die militärische Unterstützung der Ukraine und die Energiepolitik der Vereinigten Staaten stärker in der Diskussion.

Für Kiew verschärft sich dadurch die Sorge, künftig weniger verlässlich auf bestimmte amerikanische Technologien und Unterstützungsleistungen zugreifen zu können.

Der Sonntagmorgen zeigt damit zwei Seiten derselben militärischen Entwicklung.

Während Russland nach eigenen Angaben eine massive Zahl ukrainischer Drohnen auf dem Weg nach Moskau abfängt, ringt die Ukraine um die Funktionsfähigkeit jener Kommunikationssysteme, auf die ihre Streitkräfte angewiesen sind.

Wie sich diese Entwicklungen auf den weiteren Kriegsverlauf auswirken, bleibt offen. Sicher ist jedoch, dass nicht nur Waffen und Munition, sondern zunehmend auch digitale Infrastruktur über militärische Handlungsmöglichkeiten entscheidet.