Elon Musk stellt eine der grundlegendsten Gewissheiten unseres Wirtschaftssystems infrage: den Wert des Geldes. Der Unternehmer und Chef von Tesla und SpaceX ist überzeugt, dass künstliche Intelligenz und Roboter eines Tages nahezu sämtliche menschlichen Bedürfnisse erfüllen könnten. Klassische Währungen würden dadurch an Bedeutung verlieren. Bereits Anfang 2026 hatte Musk erklärt, dass Menschen möglicherweise nicht mehr für ihren Ruhestand sparen müssten. Wirtschaftsexperten warnen allerdings davor, persönliche Finanzentscheidungen auf solche Zukunftsprognosen zu stützen.

Musk erwartet eine Welt ohne klassisches Geld

In einem Gespräch mit seinem Biografen Walter Isaacson für den Podcast „The Builders“, das am 20. Oktober 2026 veröffentlicht wurde, erläuterte Elon Musk seine Vorstellungen von einer weitgehend automatisierten Wirtschaft.

Der Unternehmer geht davon aus, dass künstliche Intelligenz und Robotik langfristig einen Großteil der menschlichen Arbeit übernehmen könnten. Maschinen würden nicht nur industrielle Produkte herstellen, sondern auch Dienstleistungen erbringen, die heute Menschen vorbehalten sind.

Damit verbindet Musk die Erwartung eines außergewöhnlichen Produktivitätswachstums.

Waren und Dienstleistungen könnten nach seiner Vorstellung in einer solchen Fülle verfügbar werden, dass herkömmliches Geld seine bisherige Bedeutung verliert.

Musk bezeichnete dies ausdrücklich als seine eigene Vermutung. Einen konkreten Zeitpunkt für das Ende klassischer Währungen nannte er nicht.

Seine Überlegungen gehen dabei über die Erde hinaus. In einer künftigen Wirtschaft, die auch den Mond oder andere Planeten umfasst, könnten nach Musks Auffassung physikalische Größen wie Masse, Energie und verfügbare Leistung an Bedeutung gewinnen.

Warum Musk vom Sparen für die Rente abrät

Besonders weitreichend sind Musks Aussagen zur privaten Altersvorsorge.

Bereits im Januar 2026 hatte der Unternehmer im Podcast „Moonshots with Peter Diamandis“ die Einschätzung vertreten, dass Menschen in zehn oder zwanzig Jahren möglicherweise keine Ersparnisse für ihren Ruhestand mehr benötigen.

Seine Begründung: Wenn künstliche Intelligenz und Robotik tatsächlich einen umfassenden materiellen Überfluss schaffen, könnten wichtige Bedürfnisse unabhängig vom individuellen Vermögen gedeckt werden.

Dazu zählt Musk insbesondere Wohnen, Gesundheitsversorgung und alltägliche Dienstleistungen.

Im Gespräch mit Walter Isaacson bekräftigte er nun seine grundsätzliche Erwartung, dass künstliche Intelligenz und Roboter eines Tages praktisch alle menschlichen Tätigkeiten besser ausführen könnten.

In einer solchen Gesellschaft müssten Menschen möglicherweise nicht mehr arbeiten, um ihre Existenz zu sichern.

Stattdessen könnten sie sich stärker persönlichen Interessen, künstlerischen Tätigkeiten oder Hobbys widmen.

Entscheidend ist allerdings, dass Musk damit ein Zukunftsszenario beschreibt und keine bereits eingetretene wirtschaftliche Entwicklung.

Können künstliche Intelligenz und Roboter wirklich alles produzieren?

Die technischen Fortschritte der vergangenen Jahre zeigen, dass künstliche Intelligenz bereits heute zahlreiche Aufgaben übernehmen kann.

Computersysteme erstellen Texte, analysieren komplexe Daten, entwickeln Software und unterstützen medizinische Diagnosen.

Auch in der Industrie werden Produktionsprozesse zunehmend automatisiert. Roboter übernehmen Montagearbeiten, Transportaufgaben und die Qualitätskontrolle.

Dennoch unterscheiden sich digitale Dienstleistungen und die Herstellung physischer Güter erheblich.

Während KI beispielsweise Informationen mit vergleichsweise geringem zusätzlichem Aufwand verarbeiten kann, bleiben für den Bau von Wohnungen, die Produktion von Lebensmitteln und die Versorgung mit Energie reale Ressourcen erforderlich.

Dazu gehören Rohstoffe, Flächen, Infrastruktur und funktionierende Lieferketten.

Selbst eine weitgehend automatisierte Wirtschaft könnte deshalb weiterhin mit Knappheit konfrontiert sein.

Besonders deutlich wird dies beim Wohnraum. Maschinen können den Bau von Gebäuden erleichtern und günstiger machen. Sie können jedoch nicht beliebig neue Grundstücke in begehrten Innenstadtlagen schaffen.

Auch Energie, Wasser und bestimmte Rohstoffe bleiben begrenzte wirtschaftliche Güter.

Die Annahme, technischer Fortschritt werde jede Form wirtschaftlicher Knappheit beseitigen, ist daher bislang nicht belegt.

Mehr Wohlstand bedeutet nicht automatisch Wohlstand für alle

Eine weitere entscheidende Frage betrifft die Verteilung der durch künstliche Intelligenz geschaffenen wirtschaftlichen Vorteile.

Wenn Unternehmen ihre Produktion mithilfe von Robotern erheblich steigern, können Kosten sinken und Gewinne wachsen.

Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass alle Menschen gleichermaßen profitieren.

Vielmehr hängt die Verteilung des zusätzlichen Wohlstands unter anderem davon ab, wem die Maschinen, Rechenzentren und Produktionsanlagen gehören.

Auch die Steuerpolitik, soziale Sicherungssysteme und die Entwicklung der Löhne spielen eine wichtige Rolle.

Würden große Teile der Produktion von wenigen Unternehmen kontrolliert, könnten erhebliche Vermögens- und Einkommensunterschiede bestehen bleiben.

Eine Gesellschaft, in der Menschen unabhängig von Erwerbsarbeit Zugang zu lebenswichtigen Gütern erhalten, würde deshalb neben technischen Fortschritten auch entsprechende wirtschaftliche und politische Regelungen benötigen.

Musks Zukunftsvision beantwortet bislang nicht abschließend, wie eine solche Verteilung organisiert werden könnte.

Experten warnen vor einem Verzicht auf Altersvorsorge

Gerade bei der Frage der privaten Rentenvorsorge stößt Musk auf deutlichen Widerspruch.

Bereits nach seinen Äußerungen im Januar befragte das Wirtschaftsmagazin Business Insider sieben Fachleute aus den Bereichen Finanzplanung und künstliche Intelligenz.

Alle sieben sprachen sich dafür aus, weiterhin für den Ruhestand vorzusorgen.

Der zentrale Einwand: Niemand kann zuverlässig vorhersagen, wann eine von Musk beschriebene Welt entstehen könnte oder ob seine Annahmen überhaupt eintreffen.

Wer heute auf Ersparnisse verzichtet, trägt dagegen ein unmittelbares persönliches Risiko.

Die Finanzierung des Ruhestands hängt weiterhin von gesetzlichen Rentenansprüchen, privatem Vermögen und individuellen Lebenshaltungskosten ab.

Auch technologische Durchbrüche könnten zunächst nur einzelne Branchen verändern, während andere Bereiche weiterhin erhebliche Kosten verursachen.

Finanzexperten empfehlen deshalb, bestehende Vorsorgestrategien nicht allein aufgrund optimistischer technologischer Prognosen aufzugeben.

Was würde das für das deutsche Rentensystem bedeuten?

Für Deutschland haben Musks Aussagen eine besondere Bedeutung, weil die Zukunft der Altersvorsorge seit Jahren intensiv diskutiert wird.

Die gesetzliche Rentenversicherung beruht überwiegend auf dem Umlageverfahren. Die Beiträge der derzeit Beschäftigten finanzieren einen großen Teil der laufenden Rentenzahlungen.

Durch den demografischen Wandel steigt der Druck auf dieses System.

Wenn künftig immer mehr Tätigkeiten automatisiert werden, könnte sich die Finanzierung der sozialen Sicherung grundlegend verändern.

Eine deutlich höhere Produktivität könnte die wirtschaftlichen Möglichkeiten zur Versorgung älterer Menschen verbessern.

Gleichzeitig würde eine sinkende Zahl sozialversicherungspflichtiger Beschäftigter neue Fragen für ein beitragsfinanziertes Rentensystem aufwerfen.

Denkbar wären beispielsweise Veränderungen bei der Finanzierung sozialer Leistungen oder eine stärkere Beteiligung anderer Einkommensarten.

Ob und in welchem Umfang solche Reformen notwendig würden, hängt jedoch von der tatsächlichen Entwicklung des Arbeitsmarktes ab.

Ein automatischer Wegfall der Notwendigkeit privater Altersvorsorge lässt sich daraus nicht ableiten.

Auch Musks eigenes Milliardenvermögen steht zur Debatte

In dem Gespräch mit Walter Isaacson äußerte sich Musk außerdem zur Zukunft seines eigenen Vermögens.

Ein erheblicher Teil seines Reichtums besteht aus Beteiligungen an Tesla und SpaceX.

Musk argumentierte, dass diese Unternehmensanteile für ihn nicht nur einen finanziellen Wert besitzen. Sie sichern ihm auch Einfluss auf die strategische Ausrichtung seiner Unternehmen.

Langfristig erwartet er, dass sein Vermögen durch Steuern und die Weitergabe an kommende Generationen erheblich schrumpfen könnte.

Falls klassische Währungen künftig tatsächlich an Bedeutung verlieren sollten, würde sich nach seiner Vorstellung auch der Wert großer Privatvermögen grundlegend verändern.

Allerdings bleibt offen, wie Eigentumsrechte, Unternehmensbeteiligungen und die Kontrolle über Produktionsmittel in einer solchen Wirtschaft organisiert wären.

Gerade diese Fragen dürften entscheidend dafür sein, ob wirtschaftliche Macht in einer hochautomatisierten Gesellschaft tatsächlich an Bedeutung verliert.

Zukunftsvision oder realistische Wirtschaftsprognose?

Elon Musks Aussagen verdeutlichen, wie weitreichend die wirtschaftlichen Folgen künstlicher Intelligenz theoretisch sein könnten.

Bereits heute verändert die Technologie zahlreiche Arbeitsprozesse und eröffnet Unternehmen Möglichkeiten zur Produktivitätssteigerung.

Der Schritt von einer hochautomatisierten Wirtschaft zu einer Gesellschaft, in der Geld und private Ersparnisse überflüssig werden, ist jedoch erheblich größer.

Dafür müssten nicht nur technische Probleme gelöst werden. Auch die Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen, die Verteilung wirtschaftlicher Erträge und die Finanzierung öffentlicher Leistungen müssten neu organisiert werden.

Bislang existiert kein belastbarer Nachweis dafür, dass diese Entwicklung innerhalb der kommenden zehn oder zwanzig Jahre eintreten wird.

Musks Prognose bleibt damit eine weitreichende Vorstellung über die Zukunft von Technologie und Wirtschaft.

Für Verbraucher gilt unter den gegenwärtigen Bedingungen weiterhin: Gesetzliche Rentenansprüche und private Rücklagen behalten ihre Bedeutung für die finanzielle Absicherung im Alter.