Dresden. Sachsen gehört bei Schäden durch Überschwemmungen und andere Naturgefahren zu den besonders stark betroffenen Bundesländern. Nach einer neuen Auswertung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wurden im Jahr 2025 rund 9.000 versicherte Elementarschäden im Freistaat registriert. Auf 1.000 Versicherte entfielen rechnerisch 9,6 Schadensfälle. Bundesweit lag der Durchschnitt bei lediglich 3,7. Damit war die gemessene Schadenhäufigkeit in Sachsen mehr als doppelt so hoch wie im deutschen Durchschnitt.

Die Zahlen wurden am Donnerstag, 15. Oktober 2026, bekannt. Sie verdeutlichen, welchen finanziellen Risiken Gebäude durch Starkregen, Hochwasser und Rückstau ausgesetzt sein können.

Rund 9.000 Elementarschäden in einem Jahr

Die Auswertung des Versicherungsverbandes umfasst Schäden durch unterschiedliche Naturgefahren.

Dazu gehören insbesondere Starkregen, Überschwemmungen und Rückstau.

In Sachsen wurden im vergangenen Jahr rund 9.000 entsprechende Versicherungsfälle gezählt.

Die Zahl allein ist bereits bemerkenswert. Besonders deutlich wird die Belastung allerdings beim Vergleich mit anderen Regionen.

Auf jeweils 1.000 Versicherte kamen in Sachsen 9,6 gemeldete Schäden.

Der bundesweite Durchschnitt betrug lediglich 3,7 Fälle.

In Rheinland-Pfalz, das eine vergleichbare Einwohnerzahl besitzt, wurden rund 4.000 Elementarschäden gemeldet.

Solche regionalen Unterschiede können verschiedene Ursachen haben. Eine wichtige Rolle spielen geografische Gegebenheiten, lokale Niederschlagsereignisse und die Lage von Gebäuden in gefährdeten Gebieten.

Durchschnittsschaden in Sachsen niedriger

Obwohl Sachsen besonders viele Versicherungsfälle verzeichnete, lag die durchschnittliche Schadenshöhe unter dem bundesweiten Wert.

Nach Angaben des GDV betrug sie im Freistaat rund 1.800 Euro.

Deutschlandweit waren es durchschnittlich etwa 4.700 Euro je gemeldetem Schaden.

Das bedeutet allerdings nicht, dass die Gefährdung in Sachsen grundsätzlich geringer ausfällt.

Bereits vergleichsweise kleine Wasserschäden können erhebliche Reparaturen erforderlich machen. Bei schweren Überschwemmungen können dagegen deutlich höhere Kosten entstehen.

Die Höhe eines Schadens hängt unter anderem davon ab, welche Gebäudeteile betroffen sind, wie lange Wasser eindringt und welche technischen Anlagen beschädigt werden.

Besonders kostenintensiv können Schäden an Heizungsanlagen, elektrischen Installationen und der Bausubstanz sein.

Fast jedes zweite Wohngebäude ohne entsprechenden Schutz

Besonders problematisch ist der Versicherungsschutz.

Nach den aktuellen Zahlen sind in Sachsen nur etwa 54 Prozent der Wohngebäude gegen Elementargefahren versichert.

Damit verfügt fast die Hälfte der Gebäude nicht über einen entsprechenden Versicherungsschutz.

Eine gewöhnliche Wohngebäudeversicherung deckt nicht automatisch sämtliche Schäden durch Überschwemmungen oder Starkregen ab.

Dafür ist in der Regel eine zusätzliche Elementarschadenabsicherung erforderlich.

Fehlt dieser Schutz, müssen Eigentümer die finanziellen Folgen eines entsprechenden Schadens möglicherweise selbst tragen.

Das kann insbesondere bei größeren Schäden eine erhebliche wirtschaftliche Belastung darstellen.

Starkregen kann auch fernab großer Flüsse gefährlich werden

Viele Menschen verbinden Überschwemmungen vor allem mit Hochwasser an großen Flüssen.

Doch Schäden können ebenso durch lokale Starkregenereignisse entstehen.

Wenn innerhalb kurzer Zeit große Niederschlagsmengen fallen, kann Wasser auch dort in Keller und Gebäude eindringen, wo keine größeren Flüsse in unmittelbarer Nähe liegen.

Besonders gefährdet sind beispielsweise tiefer gelegene Grundstücke, Senken und Bereiche mit einem hohen Anteil versiegelter Flächen.

Auch überlastete Entwässerungssysteme können dazu führen, dass Wasser in Gebäude zurückgedrückt wird.

Für Hausbesitzer bedeutet das, dass die Bewertung des eigenen Risikos nicht allein auf der Entfernung zum nächsten Fluss beruhen sollte.

Versicherer warnen vor zunehmenden Klimaschäden

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft warnt bereits seit Langem vor steigenden Schäden durch extreme Wetterereignisse.

GDV-Vizehauptgeschäftsführerin Anja Käfer-Rohrbach verweist darauf, dass sich die finanziellen Folgen von Naturgefahren durch den Klimawandel künftig erheblich verstärken könnten.

Bis zur Mitte des Jahrhunderts hält der Verband mindestens eine Verdopplung bestimmter klimabedingter Schäden für möglich.

Solche Prognosen sind jedoch mit Unsicherheiten verbunden und hängen unter anderem von der Entwicklung der globalen Temperaturen und von möglichen Schutzmaßnahmen ab.

Fest steht, dass sowohl der vorbeugende Hochwasserschutz als auch die Anpassung von Gebäuden an Starkregenereignisse zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Was Eigentümer überprüfen sollten

Für Immobilienbesitzer ergeben sich aus den Zahlen mehrere praktische Fragen.

Zunächst sollte geklärt werden, ob für das eigene Gebäude ein ausreichender Elementarschadenversicherungsschutz besteht.

Darüber hinaus können bauliche Maßnahmen sinnvoll sein, etwa Rückstausicherungen, der Schutz von Kelleröffnungen oder eine angepasste Entwässerung des Grundstücks.

Welche Maßnahmen erforderlich sind, hängt von der konkreten Lage und Beschaffenheit des Gebäudes ab.

Auch Städte und Gemeinden spielen eine wichtige Rolle. Sie können beispielsweise durch geeignete Entwässerungskonzepte und die Berücksichtigung von Starkregenrisiken bei der Stadtplanung zur Schadensvorsorge beitragen.

Sachsen steht vor langfristiger Herausforderung

Die Versicherungsbilanz zeigt, dass Überschwemmungsrisiken in Sachsen nicht nur eine theoretische Gefahr darstellen.

Bereits 2025 wurden Tausende Schäden registriert.

Dass der durchschnittliche Schaden vergleichsweise niedrig ausfiel, ist keine Garantie für die kommenden Jahre.

Ein einzelnes schweres Hochwasser oder ein außergewöhnliches Starkregenereignis kann deutlich höhere Schäden verursachen.

Für Sachsen bleibt deshalb entscheidend, die Risiken frühzeitig zu erkennen, geeignete Schutzmaßnahmen umzusetzen und die finanzielle Vorsorge zu verbessern.

Die neuen Zahlen unterstreichen, dass der Umgang mit Naturgefahren zunehmend zu einer wichtigen Aufgabe für Eigentümer, Kommunen und Politik wird.