Dessau-Roßlau. Gleich drei mutmaßliche versuchte Tötungsdelikte beschäftigen Polizei und Staatsanwaltschaft in Sachsen-Anhalt. In Dessau-Roßlau wurde ein 38-jähriger Mann mit lebensgefährlichen Verletzungen in einem Hausflur gefunden. In Sandersdorf-Brehna kam es zu einer schweren Messerattacke, während in Köthen ein mutmaßlich vorsätzlich gelegter Brand in einem bewohnten Mehrfamilienhaus die Ermittler beschäftigt. Die Vorfälle ereigneten sich am Wochenende. Am Montag, dem 19. Oktober 2026, wurden weitere Einzelheiten bekannt.

Frau entdeckt lebensgefährlich verletzten Mann in Dessau

Besonders rätselhaft ist der Fall aus Dessau-Roßlau.

In der Nacht zum Samstag, dem 17. Oktober, entdeckte eine Anwohnerin gegen 2.30 Uhr einen blutenden Mann im Hausflur eines Mehrfamilienhauses in der Pestalozzistraße.

Die Frau alarmierte umgehend die Rettungskräfte.

Bei dem Verletzten handelt es sich um einen 38-jährigen Mann aus der Ukraine. Er wies mehrere schwere Verletzungen am Oberkörper auf. Die Rettungskräfte stuften seinen Zustand als lebensbedrohlich ein.

Der Mann wurde in ein Krankenhaus gebracht und musste operiert werden.

Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln wegen des Verdachts eines versuchten Tötungsdelikts.

Wie der Mann die Verletzungen erlitt, ist bislang nicht geklärt. Auch zu möglichen Tatverdächtigen oder einem Tatmotiv liegen keine gesicherten Angaben vor.

Polizei rekonstruiert den letzten Weg des Opfers

Die Ermittler versuchen herauszufinden, was in den Stunden vor dem Auffinden des Verletzten geschah.

Nach bisherigen Erkenntnissen hielt sich der 38-Jährige zwischen 1 und 2 Uhr in einer Bar in der Straße An der Fine auf.

Anschließend soll er zu Fuß durch mehrere Straßen gelaufen sein. Sein Weg führte nach Polizeiangaben über die Johann-Meier-Straße, die Lutzmannstraße, die Raguhner Straße, die Friedhofstraße und die Radegaster Straße bis zur Pestalozzistraße.

Die Polizei bittet insbesondere Menschen, die in diesem Bereich zwischen 1 und 2.30 Uhr unterwegs waren, um Hinweise.

Gesucht werden Beobachtungen zu möglichen Streitigkeiten, Auseinandersetzungen oder auffälligen Personengruppen.

Der Verletzte ist etwa 1,80 Meter groß und hat kurze, dunkelblonde Haare. Zum Zeitpunkt des Vorfalls trug er ein schwarzes T-Shirt mit weißem Drachenmotiv, eine schwarze Weste, blaue Jeans und helle Schuhe.

Messerattacke am Sportplatz in Sandersdorf-Brehna

Ein weiteres schweres Gewaltverbrechen ereignete sich am Samstagabend in Sandersdorf-Brehna im Landkreis Anhalt-Bitterfeld.

Im Bereich eines Sportplatzes gerieten zwei junge Männer in Streit.

Nach Angaben des MDR soll ein 21-Jähriger mehrfach auf einen 17-Jährigen eingestochen haben.

Der mutmaßliche Angreifer verständigte anschließend selbst den Rettungsdienst. Die Polizei nahm ihn später fest.

Die Ermittlungen richten sich auch in diesem Fall auf den Verdacht eines versuchten Tötungsdelikts.

Welcher Streit der Auseinandersetzung vorausging und weshalb die Situation derart eskalierte, ist bislang nicht abschließend bekannt.

Köthen: Brennender Schuhschrank gefährdet Hausbewohner

Auch in Köthen im Landkreis Anhalt-Bitterfeld ermittelt die Polizei wegen eines möglichen versuchten Tötungsdelikts.

Am Samstagabend wurde in einem Mehrfamilienhaus im zweiten Obergeschoss ein Schuhschrank in Brand gesetzt.

Durch das Feuer entwickelten sich Rauch und Hitze. Sechs Hausbewohner mussten das Gebäude verlassen.

Nach bisherigen Angaben wurde niemand verletzt.

Die Polizei konnte durch Befragungen einen 40-jährigen Tatverdächtigen ermitteln. Bei einer anschließenden Wohnungsdurchsuchung fanden die Beamten Beweismittel, die den Verdacht gegen den Mann erhärteten.

Ein Haftrichter in Dessau ordnete am Sonntag Untersuchungshaft an.

Gegen den Beschuldigten wird wegen schwerer Brandstiftung und versuchten Totschlags ermittelt.

Das mögliche Motiv ist noch unklar.

Drei Ermittlungsverfahren – kein Zusammenhang nachgewiesen

Die drei Fälle ereigneten sich innerhalb weniger Stunden beziehungsweise am selben Wochenende in der Region Dessau und Anhalt-Bitterfeld.

Trotz der zeitlichen Nähe handelt es sich nach bisherigem Kenntnisstand um eigenständige Ermittlungsverfahren.

Ein Zusammenhang zwischen den Taten ist nicht belegt.

In zwei Fällen konnten bereits Tatverdächtige festgenommen werden. Im Dessauer Fall konzentrieren sich die Ermittlungen weiterhin auf die Rekonstruktion des Geschehens und die Suche nach Zeugen.

Für sämtliche Beschuldigte gilt die Unschuldsvermutung.

Besonders dringend benötigt die Polizei Hinweise zum lebensgefährlich verletzten 38-Jährigen aus Dessau-Roßlau. Wer in der Nacht zum 17. Oktober verdächtige Beobachtungen im Bereich seiner vermuteten Wegstrecke gemacht hat, sollte sich an die Polizei wenden.