Kraftklub entstand 2010 in Chemnitz und entwickelte sich innerhalb weniger Jahre von einer jungen lokalen Formation zu einer der erfolgreichsten deutschen Rockbands ihrer Generation. Die fünf Musiker verbanden Indie-Rock, Punk und deutschsprachigen Rap mit Texten über Jugend, Heimat und gesellschaftliche Widersprüche. Auch nach mehreren Nummer-eins-Alben und großen Tourneen blieb Chemnitz ein zentraler Bestandteil ihrer Identität.
Aus Chemnitzer Musikern wurde Kraftklub
Die Band besteht aus Felix Kummer am Mikrofon, Karl Schumann an Gitarre und Gesang, Till Kummer am Bass, Steffen Israel an der Gitarre und Max Marschk am Schlagzeug. Die gemeinsame Geschichte begann, als Felix Kummer, damals noch unter dem Namen Bernd Bass aktiv, mit Mitgliedern der Rockband Neon Blocks zusammenarbeitete.
2010 veröffentlichte Kraftklub die erste EP „Adonis Maximus“. Noch im selben Jahr gewann die Band den New Music Award mehrerer ARD-Radiostationen und rückte damit erstmals über Sachsen hinaus ins Blickfeld der Musikbranche.
„Ich will nicht nach Berlin“ wurde zum Durchbruch
Einer der Songs, die Kraftklub früh bekannt machten, trug einen Titel, der perfekt zur Herkunft der Band passte: „Ich will nicht nach Berlin“.
2011 trat Kraftklub damit beim Bundesvision Song Contest für Sachsen an und erreichte den fünften Platz. Ein Jahr später erschien das Debütalbum „Mit K“, das direkt auf Platz eins der deutschen Albumcharts einstieg.
Der Song wurde zugleich zu einer augenzwinkernden Absage an die Vorstellung, eine erfolgreiche junge Band müsse zwangsläufig nach Berlin ziehen. Chemnitz blieb stattdessen ein sichtbarer Teil des Selbstverständnisses.
Drei Alben hintereinander erreichten Platz eins
Auf „Mit K“ folgte 2014 „In Schwarz“. 2017 erschien „Keine Nacht für Niemand“. Auch diese beiden Alben erreichten die Spitze der deutschen Charts.
Kraftklub entwickelte dabei einen eigenen Stil aus schnellen Gitarren, Sprechgesang, eingängigen Refrains und häufig ironischen oder politischen Texten.
Nach einer mehrjährigen Bandpause meldete sich die Gruppe 2022 mit „Ein Song reicht“ zurück. Im selben Jahr erschien das Album „KARGO“.
Chemnitz wurde immer wieder selbst zum Thema
Kraftklub behandelte die eigene Herkunft nie nur als biografische Randnotiz. Chemnitz beziehungsweise der frühere Stadtname Karl-Marx-Stadt taucht immer wieder in Musik, Konzerten und Inszenierungen der Band auf.
Besonders deutlich wurde die Verbindung 2018. Nach rechtsextremen Ausschreitungen in Chemnitz gehörte Kraftklub zu den Initiatoren des Konzerts „Wir sind mehr“, bei dem rund 65.000 Menschen ein Zeichen gegen Rassismus und Rechtsextremismus setzten.
Dass Kraftklub inzwischen zu den kulturellen Aushängeschildern der Stadt gerechnet wird, zeigte sich auch bei der Eröffnung des Kulturhauptstadtjahres 2025. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nannte die Band in seiner Rede ausdrücklich in einer Reihe mit bekannten Persönlichkeiten und Künstlern aus Chemnitz.
„Sterben in Karl-Marx-Stadt“ bringt Heimat zurück in den Titel
Ende November 2025 veröffentlichte Kraftklub das Album „Sterben in Karl-Marx-Stadt“. Schon der Titel stellte die Herkunft der Band so deutlich in den Mittelpunkt wie kaum ein Album zuvor.
Das Werk beschäftigt sich mit Tod, Verlust und Abschied, zugleich aber auch mit Leben, Feiern und Widerstand. Gäste auf dem Album sind unter anderem Deichkind, Nina Chuba, Domiziana und Faber.
2026 ging Kraftklub damit auf große Tour. Für den 21. und 22. August sind beispielsweise zwei ausverkaufte Konzerte in der Berliner Parkbühne Wuhlheide angekündigt, Ende August folgt ein ebenfalls großes Open-Air in Hamburg.
Eine ostdeutsche Band ohne Herkunftskomplex
Kraftklubs Erfolgsgeschichte unterscheidet sich von vielen klassischen Biografien der Rubrik „Ossi’s“. Die Musiker wurden überwiegend in der Nachwendezeit erwachsen und mussten ihre Karriere nicht mehr innerhalb des DDR-Kulturbetriebs beginnen.
Trotzdem blieb die ostdeutsche Herkunft zentral. Chemnitz ist in Liedern, Albumtiteln und öffentlichen Auftritten ständig präsent und wird weder romantisiert noch versteckt.
Aus einer jungen Band aus Sachsen wurde so ein bundesweit erfolgreiches Musikprojekt, das seine Herkunft selbst auf den größten Bühnen sichtbar mitnimmt.
Quelle:
Offizielle Website Kraftklub; Apple Music; Bundesregierung; Chemnitz Kulturhauptstadt Europas 2025; Munzinger Biographie.