Das Brandenburger Theater bleibt vorerst ohne reguläre Intendanz. Oberbürgermeister Daniel Keip will die Leitungsstelle erst ausschreiben lassen, wenn verbindlich feststeht, mit welchen finanziellen Mitteln das Haus in den kommenden Jahren arbeiten kann. Die Stadt wartet auf Zusagen des Landes und auf die Verhandlungen zum Theater- und Orchesterrahmenvertrag, die für Anfang September vorgesehen sind. Gleichzeitig ist das Große Haus wegen eines schweren Wasserschadens weiterhin nur eingeschränkt nutzbar. Für Reparaturen und technische Verbesserungen werden rund 1,4 Millionen Euro veranschlagt.

Intendanz ist seit Sommer 2025 unbesetzt

Die reguläre Leitungsstelle des Brandenburger Theaters ist seit dem Sommer 2025 nicht besetzt. Eine ursprünglich angestrebte Ausschreibung im ersten Halbjahr 2026 wurde nicht veröffentlicht.

Oberbürgermeister Keip begründet die Verzögerung mit den offenen finanziellen Rahmenbedingungen. Eine seriöse Ausschreibung sei kaum möglich, solange potenziellen Bewerbern nicht gesagt werden könne, welche personellen und künstlerischen Spielräume ihnen zur Verfügung stehen.

Diese Haltung ist nachvollziehbar. Eine Intendanz übernimmt Verantwortung für Spielplan, Personal, Gastspiele, Kooperationen und wirtschaftliche Entwicklung. Ohne belastbares Budget kann kaum ein realistisches Konzept für mehrere Spielzeiten entstehen.

Die Verzögerung hat jedoch ebenfalls Nachteile. Je länger die Leitung nur übergangsweise organisiert wird, desto schwieriger werden längerfristige Entscheidungen über Künstler, Produktionen und Publikumspflege.

Carola Söllner führt das Haus übergangsweise

Bis zum Ende der Spielzeit 2026/27 übernimmt die leitende Dramaturgin Carola Söllner die künstlerische Leitung. Diese Entscheidung soll dem Theater Stabilität geben, bis die Intendantenfrage endgültig geklärt ist.

Die Übergangslösung verhindert ein Führungsvakuum. Gleichzeitig ist eine künstlerische Leitung auf Zeit nur eingeschränkt mit einer regulären Intendanz vergleichbar.

Langfristige Verpflichtungen, neue Ensemblestrukturen oder größere Profiländerungen lassen sich schwer umsetzen, wenn die künftige Leitung möglicherweise andere Vorstellungen verfolgt. Auch Beschäftigte, Künstler und Kooperationspartner benötigen Klarheit darüber, welche Richtung das Theater nach 2027 einschlagen soll.

Anna Loos hatte öffentlich Interesse gezeigt

Unter anderem hatte sich die aus Brandenburg an der Havel stammende Schauspielerin und Sängerin Anna Loos für die Leitung des Hauses interessiert. Eine formelle Ausschreibung, auf die sie sich hätte bewerben können, gab es zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht.

Loos hatte zugleich Kritik am Zustand des Theaters geäußert. Aus ihrer Sicht müsse das Haus wieder mehr Publikum erreichen und ein stärkeres kulturelles Angebot entwickeln.

Eine prominente Persönlichkeit kann Aufmerksamkeit erzeugen. Bekanntheit allein ersetzt jedoch kein tragfähiges Theaterkonzept. Bei einer späteren Ausschreibung müssen künstlerische Erfahrung, Führungsfähigkeit, wirtschaftliches Verständnis und regionale Verankerung nachvollziehbar bewertet werden.

Die Auswahl darf weder durch öffentliche Sympathien noch durch politische Erwartungen vorentschieden werden.

Rund zehn Millionen Euro stehen jährlich zur Verfügung

Das Theater verfügt nach bisherigen Angaben aus unterschiedlichen Finanzierungstöpfen über etwa zehn Millionen Euro pro Jahr. Für 2026 sind rund 5,5 Millionen Euro Förderung durch das Land Brandenburg vorgesehen.

Ab 2027 soll der kommunale Finanzausgleich für Theater und Orchester landesweit um acht Millionen Euro auf jährlich 30 Millionen Euro erhöht werden. Wie viel davon dauerhaft in Brandenburg an der Havel ankommt, ist noch nicht abschließend geklärt.

Für das Theater ist nicht nur die Höhe der Förderung entscheidend. Ebenso wichtig sind Laufzeit, Planungssicherheit und die Frage, welche Kostensteigerungen berücksichtigt werden.

Tariferhöhungen, Energie, Technik, Transport und Gastspielhonorare können ein nominell gleichbleibendes Budget real verkleinern. Eine neue Intendanz muss deshalb wissen, ob die Finanzierung nur für ein Jahr oder über mehrere Spielzeiten gesichert ist.

Wasserschaden legt das Große Haus teilweise lahm

Zusätzlich zur offenen Leitungsfrage belastet ein erheblicher Wasserschaden das Theater. Der Schaden ereignete sich im Dezember 2025 und schränkt den Betrieb des Großen Hauses weiterhin ein.

Für Reparaturen sowie Verbesserungen an Heizung, Lüftung und Ausstattung werden rund 1,4 Millionen Euro benötigt. Etwa 500.000 Euro sollen durch eine Versicherung übernommen werden. Der restliche Betrag muss aus anderen Mitteln finanziert werden.

Ziel ist es, die Arbeiten möglichst bis Ende 2026 abzuschließen. Ob dieser Zeitplan gehalten werden kann, hängt von Vergaben, Materiallieferungen und möglichen zusätzlichen Schäden ab, die erst während der Bauarbeiten sichtbar werden.

Nur zehn Vorstellungen mussten vollständig ausfallen

Trotz der Einschränkungen konnte ein großer Teil des Programms weitergeführt werden. Nach Angaben des Oberbürgermeisters mussten lediglich zehn Vorstellungen vollständig abgesagt werden.

Andere Produktionen wurden in das Kleine Haus oder an alternative Spielorte verlegt. Das war nur durch zusätzlichen organisatorischen Aufwand und das Engagement der Beschäftigten möglich.

Der Erfolg der Ausweichstrategie darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein Theater ohne seinen größten Saal Einnahmen verliert. Weniger Plätze bedeuten geringere Ticketerlöse. Hinzu kommen mögliche Miet-, Transport- und Umbaukosten für andere Spielstätten.

Brandenburger Symphoniker prägen das Haus

Dem Theater sind die Brandenburger Symphoniker fest zugeordnet. Ein eigenes Schauspielensemble besitzt das Haus dagegen nicht.

Damit unterscheidet sich die Struktur von klassischen Mehrspartentheatern. Das Programm entsteht aus Konzerten, Gastspielen, Kooperationen, Musiktheater und weiteren Veranstaltungsformen.

Eine neue Intendanz muss diese Besonderheit berücksichtigen. Sie kann nicht einfach das Modell eines großen Stadttheaters übertragen, sondern braucht ein Profil, das zur finanziellen und personellen Realität in Brandenburg an der Havel passt.

Die Symphoniker sind dabei ein bedeutendes kulturelles Kapital. Ihre regionale und überregionale Wirkung sollte stärker mit den übrigen Angeboten des Hauses verbunden werden.

Publikum muss zurückgewonnen werden

Oberbürgermeister Keip hatte bereits im Frühjahr erklärt, dass mehr Besucher für das Theater gewonnen werden müssten.

Das ist keine reine Marketingaufgabe. Menschen kaufen Karten, wenn Programm, Qualität, Termine, Preise und Erreichbarkeit überzeugen.

Das Theater sollte deshalb untersuchen, welche Zielgruppen bislang fehlen. Familien, Jugendliche, Studierende und Bewohner des Umlandes benötigen teilweise andere Formate als das traditionelle Stammpublikum.

Auch Schulen, Vereine und Unternehmen könnten stärker als Partner eingebunden werden. Einzelne kostenlose Aktionen ersetzen jedoch keine langfristige Publikumsstrategie.

Ausschreibung muss transparent erfolgen

Sobald die Finanzierung geklärt ist, sollte die Intendantenstelle öffentlich und mit einem klaren Anforderungsprofil ausgeschrieben werden.

Dabei müssen künstlerisches Konzept, wirtschaftliche Erfahrung, Personalführung und regionale Zusammenarbeit gleichermaßen berücksichtigt werden. Eine Findungskommission sollte unterschiedliche fachliche Perspektiven einbeziehen.

Die Stadt sollte außerdem offenlegen, nach welchem Zeitplan die Auswahl erfolgt und wann die neue Leitung tatsächlich beginnen kann.

Ein Theater gehört nicht allein Verwaltung, Aufsichtsrat oder Kulturszene. Es wird zu einem erheblichen Teil aus öffentlichen Mitteln finanziert und muss deshalb nachvollziehbar geführt werden.

Sanierung und Leitung dürfen nicht getrennt gedacht werden

Die bauliche Reparatur und die Neubesetzung der Intendanz sind zwei unterschiedliche Aufgaben. Für die Zukunft des Theaters hängen sie dennoch eng zusammen.

Eine neue Leitung benötigt funktionierende Spielstätten und verlässliche Technik. Umgekehrt sollte bei der Sanierung berücksichtigt werden, welche künstlerischen und organisatorischen Anforderungen künftig bestehen.

Brandenburg an der Havel braucht deshalb einen abgestimmten Plan: Finanzierung sichern, Großes Haus wieder öffnen, Intendanz transparent auswählen und anschließend das Publikum dauerhaft zurückgewinnen.

Quellen

  1. Deutsche Presse-Agentur: „Intendantensuche am Theater in Brandenburg verzögert sich“, veröffentlicht am 31. Juli 2026.
  2. Oberbürgermeister Daniel Keip: Angaben zur ausstehenden Ausschreibung, zur Theaterfinanzierung und zum Sanierungsbedarf, veröffentlicht am 31. Juli 2026.
  3. Brandenburger Theater: Informationen zur kommissarischen künstlerischen Leitung und zum eingeschränkten Spielbetrieb.
  4. Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg: Angaben zur Theater- und Orchesterfinanzierung 2026 und ab 2027.