Der MDR-Musiksommer gastiert am Sonnabend, dem 8. August 2026, erstmals im Kloster Michaelstein bei Blankenburg. Unter dem Titel „Wasserspiele“ gestalten der Pianist Fabian Müller, das Tsurina-Quartett und Mitglieder des MDR-Sinfonieorchesters ab 18 Uhr einen musikalischen Abend rund um Wasser, Natur und Landschaft. Auf dem Programm stehen Werke von Maurice Ravel, Franz Liszt, Ludwig van Beethoven und Franz Schubert. Das vorausgehende Konzert um 15 Uhr ist bereits ausverkauft. Für die Veranstaltung um 18 Uhr sind nach Angaben des Klosters noch Karten erhältlich.
Musik nimmt die Landschaft von Michaelstein auf
Das Programm wurde bewusst auf den Veranstaltungsort abgestimmt. Kloster Michaelstein ist von Fischteichen, Bachläufen, Wald und historischen Gartenanlagen umgeben.
Wasser ist deshalb nicht nur ein musikalisches Motiv, sondern Teil der unmittelbar erlebbaren Landschaft. Das Publikum soll die Werke nicht losgelöst in einem gewöhnlichen Konzertsaal hören, sondern in einer Umgebung, deren Geräusche und Atmosphäre eng mit dem Thema verbunden sind.
Das Konzert beginnt mit Klavierwerken, die Wasser in sehr unterschiedlichen Formen darstellen. Fließende Bewegungen, Spiegelungen, Tropfen und aufsteigende Klangfiguren ziehen sich durch das Programm.
Den Abschluss bildet Franz Schuberts berühmtes „Forellenquintett“, dessen Beiname auf Schuberts Lied „Die Forelle“ zurückgeht.
Fabian Müller eröffnet mit Ravels „Jeux d’eau“
Zu Beginn spielt Fabian Müller Maurice Ravels „Jeux d’eau“, auf Deutsch „Wasserspiele“.
Das 1901 entstandene Klavierstück zählt zu den Werken, mit denen Ravel neue Klangfarben und Spieltechniken entwickelte. Rasche Läufe, weit gespannte Akkorde und schillernde Figuren lassen den Eindruck von springendem, fließendem und reflektierendem Wasser entstehen.
Das Klavier wird dabei nahezu wie ein ganzes Orchester eingesetzt. Die einzelnen Klangschichten sollen sich überlagern, ohne ihre Transparenz zu verlieren.
Für den Pianisten verlangt das Werk hohe technische Präzision. Die Musik darf trotz ihrer Schwierigkeit nicht angestrengt wirken, sondern soll leicht und beweglich bleiben.
Liszt erinnert an die Wasserspiele der Villa d’Este
Anschließend erklingt Franz Liszts „Les jeux d’eaux à la Villa d’Este“.
Das Werk bezieht sich auf die Brunnen und Wasserspiele der Villa d’Este im italienischen Tivoli. Liszt überträgt das Funkeln und Fließen des Wassers in feine, teilweise fast schwerelos wirkende Klavierfiguren.
Das Stück entstand Jahrzehnte vor Ravels „Jeux d’eau“ und gilt als bedeutender Vorläufer impressionistischer Klangvorstellungen.
Im Konzert treffen damit zwei unterschiedliche musikalische Blicke auf das Wasser aufeinander: Liszts religiös und poetisch geprägte Betrachtung sowie Ravels farbenreiche, moderne Klangsprache.
Beethovens „Sturm“-Sonate erweitert das Naturthema
Mit Ludwig van Beethovens Sonate in d-Moll op. 31 Nr. 2 erhält das Programm eine dramatischere Wendung.
Das Werk ist unter dem Beinamen „Der Sturm“ bekannt. Dieser Titel stammt allerdings nicht direkt von Beethoven und beschreibt weniger ein konkretes Naturereignis als den bewegten und spannungsvollen Charakter der Musik.
Leise, suchende Abschnitte wechseln mit kraftvollen Ausbrüchen. Pausen, überraschende Wendungen und gegensätzliche musikalische Gedanken verleihen der Sonate eine außergewöhnliche innere Unruhe.
Damit erweitert das Konzert sein Thema vom spielerischen Wasser hin zu Naturgewalt, Bewegung und emotionaler Spannung.
Fabian Müller gehört zu den profilierten Pianisten seiner Generation
Fabian Müller wurde einem breiteren Publikum durch Erfolge bei internationalen Klavierwettbewerben bekannt.
Beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD wurde er mehrfach ausgezeichnet. Seitdem konzertiert er als Solist und Kammermusiker mit Orchestern und Ensembles im In- und Ausland.
Beim Michaelsteiner Konzert übernimmt Müller sowohl die solistischen Klavierwerke als auch den Klavierpart in Schuberts „Forellenquintett“.
Diese Verbindung verlangt unterschiedliche musikalische Rollen: Zunächst steht der Pianist allein im Mittelpunkt, später muss er sich in ein kammermusikalisches Ensemble einfügen und mit den Streichern einen gemeinsamen Klang entwickeln.
Forellenquintett beendet den Konzertabend
Den zweiten Teil des Abends bildet Franz Schuberts Quintett in A-Dur D 667, das sogenannte „Forellenquintett“.
Schubert komponierte das Werk für Klavier, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass. Diese Besetzung unterscheidet sich von der üblichen Form eines Klavierquintetts mit zwei Violinen.
Seinen bekannten Namen erhielt das Werk durch den vierten Satz. Dort verarbeitet Schubert sein Lied „Die Forelle“ in mehreren Variationen.
Die Musik wird häufig mit Leichtigkeit, Naturverbundenheit und sommerlicher Lebensfreude verbunden. Gleichzeitig verlangt sie den Musikern hohe kammermusikalische Aufmerksamkeit.
Klavier und Streicher wechseln zwischen führenden und begleitenden Rollen. Der Kontrabass sorgt für ein besonders warmes Fundament und ermöglicht dem Violoncello größere melodische Freiheit.
Tsurina-Quartett und MDR-Musiker stehen gemeinsam auf der Bühne
Neben Fabian Müller wirken das Tsurina-Quartett und Mitglieder des MDR-Sinfonieorchesters mit.
Das Tsurina-Quartett ist bereits am Nachmittag beim ausverkauften „Musikalischen Klostertag“ zu erleben. Das Ensemble besteht aus Musikerinnen und Musikern des MDR-Sinfonieorchesters.
Für das „Forellenquintett“ wird die klassische Quartettbesetzung an die besondere Instrumentierung des Schubert-Werkes angepasst.
Die Zusammenarbeit verbindet die Erfahrung eines eingespielten Kammermusikensembles mit der individuellen Gestaltung des Pianisten.
Nachmittagskonzert ist bereits ausverkauft
Der MDR-Musiksommer bietet am 8. August zwei Veranstaltungen in Michaelstein an.
Das Konzert um 15 Uhr im Refektorium ist bereits ausverkauft. Es verbindet Streichquartettmusik mit einem anschließenden Rundgang durch das Kloster.
Für das Konzert „Wasserspiele“ um 18 Uhr in der Musikscheune stehen dagegen noch Eintrittskarten zur Verfügung. Der MDR nennt für das Abendkonzert einen regulären Preis von 40 Euro. Kinder, Auszubildende und Studierende erhalten nach den Festivalangaben vergünstigte Karten.
Kurze Rundgänge beginnen bereits um 16 Uhr
Das Ticket für das Abendkonzert umfasst nach Angaben des Klosters auch kurze Rundgänge durch die Museumsbereiche.
Diese beginnen ab 16 Uhr. Besucher können damit bereits vor dem Konzert die mittelalterliche Klosteranlage, die historischen Gärten und die Musikausstellung kennenlernen.
Die Verbindung von Museum und Konzert ist ein wesentlicher Bestandteil des ersten MDR-Musiksommer-Gastspiels in Michaelstein.
Das Publikum erlebt nicht nur eine Aufführung, sondern erhält Einblicke in die Geschichte des Ortes und die Entwicklung historischer Musikinstrumente.
Musikmaschine arbeitet mit Wasserkraft
Eine besondere Attraktion befindet sich auf dem Wirtschaftshof des Klosters: die Musikmaschine nach Entwürfen des Renaissanceingenieurs Salomon de Caus.
Das rekonstruierte System wird durch Wasserräder angetrieben. Eine Stiftwalze steuert eine Orgel und setzt zugleich bewegliche Figuren in Gang.
Die historische Idee verbindet Musik, Mechanik, Gartenkunst und Wasserkraft. Salomon de Caus entwickelte das ursprüngliche Konzept zu Beginn des 17. Jahrhunderts für den Heidelberger Schlossgarten.
In Michaelstein wird die Funktionsweise in einer musealen Rekonstruktion sichtbar und hörbar gemacht. Drei Wasserräder setzen die stiftwalzengesteuerte Orgel sowie die Figur der Meernymphe Galatea in Bewegung.
Musikausstellung zeigt Streich- und Tasteninstrumente
Die oberen Räume der Klausur beherbergen die Musikausstellung des Klingenden Museums.
Dort erfahren Besucher, wie Streich- und Tasteninstrumente gebaut werden, wodurch ihr Klang entsteht und wie sie sich über die Jahrhunderte verändert haben.
Der Rundgang ergänzt das Konzertprogramm unmittelbar. Am Abend stehen mit Klavier, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass genau jene Instrumentengruppen im Mittelpunkt, deren Geschichte und Funktionsweise zuvor im Museum betrachtet werden können.
Das Kloster verfolgt damit einen Ansatz, bei dem Instrumente nicht nur als historische Objekte ausgestellt werden. Ihre Klänge und musikalischen Möglichkeiten werden durch Konzerte und Vorführungen praktisch erlebbar.
MDR-Musiksommer beginnt einen Tag zuvor
Der MDR-Musiksommer 2026 findet vom 7. August bis zum 5. September in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen statt.
Michaelstein ist in diesem Jahr erstmals einer der Festivalorte. Die historische Anlage wird dabei nicht nur als Kulisse genutzt, sondern in das Veranstaltungskonzept einbezogen.
Refektorium und Musikscheune werden zu Konzertsälen, während Gärten, Teiche und Museum das musikalische Naturthema ergänzen.
Karten ausschließlich über die vorgesehenen Vorverkaufswege
Eintrittskarten für das Konzert um 18 Uhr sind ausschließlich über die Vorverkaufsstellen von Reservix und über die Veranstaltungsseite des Klosters erhältlich.
Der Preis beträgt 40 Euro und schließt die angebotenen Rundgänge ab 16 Uhr ein.
Da das Nachmittagskonzert bereits ausverkauft ist, könnte auch für den Abend eine erhöhte Nachfrage entstehen. Interessierte sollten die aktuelle Verfügbarkeit deshalb vor der Anreise prüfen.
Erstes Gastspiel verbindet Festival und Museumsarbeit
Mit dem MDR-Musiksommer gewinnt das Kloster Michaelstein ein überregional bekanntes Festival als Partner.
Das Konzertprogramm passt sowohl zum landschaftlichen Umfeld als auch zur musealen Ausrichtung des Hauses. Wasser erscheint nicht nur in den Werktiteln von Ravel und Liszt oder in Schuberts Forelle. Es treibt auch die historische Musikmaschine an und prägt die Umgebung mit Teichen und Bachläufen.
Damit entsteht ein zusammenhängender Kulturtag, bei dem Architektur, Natur, Instrumentengeschichte und Kammermusik miteinander verbunden werden.
Quellen
- Kloster Michaelstein: Presseinformation „Wasserspiele – MDR-Musiksommer 2026 im Kloster Michaelstein“, übermittelt am 1. August 2026.