In Berlin-Spandau entsteht für rund 50 Millionen Euro ein neues Umspannwerk. Am Montag, dem 12. Oktober 2026, feierte Stromnetz Berlin Richtfest für den Ersatzneubau Amalienhof an der Schmidt-Knobelsdorff-Straße. Das Bauprojekt liegt nach Angaben des Netzbetreibers im Zeitplan. Die Inbetriebnahme ist für 2031 vorgesehen.
Neues Umspannwerk ersetzt Anlage aus den 1970er-Jahren
Das bestehende Umspannwerk Amalienhof hat nach mehr als fünf Jahrzehnten das Ende seiner technischen Lebensdauer erreicht. Der Neubau entsteht unmittelbar neben dem bisherigen Gebäude, während die alte Anlage weiterhin die Stromversorgung sicherstellt.
Besonders anspruchsvoll sind die engen Platzverhältnisse: Lediglich rund 80 Zentimeter trennen die beiden Gebäude voneinander. Das neue Umspannwerk misst etwa 25 mal 30 Meter und wird trotz moderner Technik und zusätzlicher Erweiterungsmöglichkeiten kompakter als sein Vorgänger.
Die Fassade erhält eine für Berliner Energieanlagen charakteristische Klinkerverkleidung.
Strombedarf in Berlin soll deutlich steigen
Mit dem Neubau reagiert Stromnetz Berlin auf den wachsenden Energiebedarf der Hauptstadt. Besonders die zunehmende Elektrifizierung von Verkehr und Wärmeversorgung sowie neue Unternehmensansiedlungen stellen höhere Anforderungen an das Stromnetz.
Nach Einschätzung der Berliner Wirtschaftsverwaltung könnte sich die Höchstlast des Stromnetzes bis 2035 gegenüber dem heutigen Niveau verdoppeln.
Berlins Wirtschaftsstaatssekretär und Stromnetz-Aufsichtsratsvorsitzender Severin Fischer betonte beim Richtfest die wirtschaftliche Bedeutung solcher Investitionen. Eine leistungsfähige Stromversorgung sei eine wesentliche Voraussetzung für Unternehmensansiedlungen, Wirtschaftswachstum und die angestrebte Klimaneutralität Berlins.
Spandau bildet derzeit einen Schwerpunkt der Netzmodernisierung. Insgesamt laufen im Bezirk drei Umspannwerksprojekte.
Tausende Haushalte profitieren vom Neubau
Das neue Umspannwerk Amalienhof soll künftig viele Tausend Haushalte in Spandau und Umgebung zuverlässig mit Elektrizität versorgen.
Nach dem aktuellen Bauzeitenplan soll das Gebäude bis Februar 2027 fertiggestellt werden. Anschließend beginnt schrittweise der Einbau der elektrotechnischen Anlagen.
Die Inbetriebnahme ist für Herbst 2031 vorgesehen. Danach wird das alte Umspannwerk außer Betrieb genommen und bis 2032 zurückgebaut.
Beim Richtfest schlugen Spandaus Baustadtrat Thorsten Schatz, Stromnetz-Geschäftsführer Erik Landeck, Aufsichtsratsvorsitzender Severin Fischer und Stephan Boy von der Berlin Energie & Netz Holding symbolisch einen Nagel in einen Holzbalken.
Schatz bezeichnete den planmäßigen Baufortschritt als gute Nachricht für die weitere Entwicklung des Bezirks. Eine wachsende Bevölkerung und neue Gewerbestandorte benötigten eine entsprechend leistungsfähige Infrastruktur.
Orchideenwiese wird durch Bauprojekt erweitert
Neben der technischen Modernisierung berücksichtigt das Projekt auch den Naturschutz. Das Umspannwerk grenzt unmittelbar an das Spandauer Biotop „Orchideenwiese“.
Damit die dortige Pflanzen- und Tierwelt erhalten bleibt, soll Regenwasser vom Dach des Neubaus gezielt auf die Wiesenfläche geleitet werden.
Außerdem ist das Gebäude für eine Dachbegrünung und die Installation einer Photovoltaikanlage ausgelegt. In die Fassade werden Nistkästen für Vögel integriert.
Auf einem benachbarten Grundstück ließ Stromnetz Berlin bereits alte Schuppen fachgerecht entfernen. Die frei gewordene Fläche soll renaturiert und in das bestehende Biotop einbezogen werden.
Bürger werden während der Bauzeit informiert
Seit Projektbeginn Anfang 2024 begleitet Stromnetz Berlin den Neubau mit einem Bürgerdialog. Anwohner erhalten regelmäßig Informationen über den Baufortschritt und geplante Arbeiten.
Für den landeseigenen Netzbetreiber ist das Umspannwerk Amalienhof Teil einer umfassenden Modernisierung der Berliner Strominfrastruktur. Über das Stromverteilungsnetz werden nach Unternehmensangaben rund 2,5 Millionen Haushalte und Gewerbetreibende versorgt. Jährlich fließen etwa zwölf Milliarden Kilowattstunden Elektrizität durch das Netz.
Mit dem Ersatzneubau in Spandau soll die Stromversorgung langfristig gesichert und auf einen steigenden Bedarf vorbereitet werden.