Berlin. Nach einem Brandanschlag auf die Stromversorgung in Berlin-Marzahn gibt es eine wichtige neue Entwicklung: Ermittlungsbehörden halten ein aufgetauchtes Bekennerschreiben nach Informationen des Rundfunks Berlin-Brandenburg für authentisch. Eine bislang weitgehend unbekannte Gruppe mit dem Namen „Kinder des Zorns“ beansprucht darin die Tat für sich. Bei dem Anschlag Anfang Oktober waren Stromkabel unter einer Brücke beschädigt worden. Insgesamt 19 Unternehmen und Gewerbebetriebe waren auf eine vorübergehende Notstromversorgung angewiesen.

Der Staatsschutz des Berliner Landeskriminalamtes untersucht den Vorfall. Im Mittelpunkt steht unter anderem die Frage, wer für den Angriff verantwortlich ist und welche politischen Motive dahinterstehen.

Brand unter Kabelbrücke in Marzahn

Der Anschlag ereignete sich in der Nacht zum 5. Oktober 2026.

Unbekannte entzündeten nach den bisherigen Erkenntnissen brennbares Material unter einer Kabelbrücke im Bereich der Boxberger Straße.

Durch die Hitze wurden Stromleitungen beschädigt. Die Folgen trafen mehrere Gewerbebetriebe, deren reguläre Energieversorgung zeitweise unterbrochen war.

Insgesamt 19 Unternehmen mussten vorübergehend mit Notstrom versorgt werden.

Der Angriff zeigt, wie verwundbar technische Infrastruktur auch ohne den Einsatz aufwendiger Waffen sein kann.

Stromleitungen und Versorgungskabel verbinden zahlreiche Betriebe miteinander. Wird ein zentraler Abschnitt beschädigt, können deshalb mehrere Einrichtungen gleichzeitig betroffen sein.

Gruppe „Kinder des Zorns“ bekennt sich zur Tat

In dem Schreiben erklärt die Gruppe, gezielt die Stromversorgung bestimmter Technologieunternehmen unterbrochen zu haben.

Als Begründung führt sie an, dass einige der betroffenen Betriebe sogenannte Dual-Use-Produkte herstellen würden.

Darunter versteht man Technologien, die sowohl für zivile als auch für militärische Zwecke verwendet werden können.

Ob die im Schreiben genannten Behauptungen über die betroffenen Unternehmen zutreffen, ist damit allerdings nicht automatisch bewiesen.

Die Darstellung stammt von den mutmaßlichen Tätern und muss von den Ermittlungsbehörden gesondert bewertet werden.

Nach Informationen des rbb gehen Ermittler inzwischen davon aus, dass das Bekennerschreiben tatsächlich aus dem Umfeld der Verantwortlichen stammt.

Die Echtheitseinschätzung bedeutet jedoch noch nicht, dass die Identität sämtlicher Beteiligter feststeht.

Staatsschutz untersucht politische Hintergründe

Die Ermittlungen hat der Staatsschutz des Landeskriminalamtes übernommen.

Er ist für Straftaten zuständig, bei denen ein politischer Hintergrund vermutet wird.

Im Fall von Marzahn müssen die Beamten nicht nur das unmittelbare Tatgeschehen rekonstruieren, sondern auch mögliche Verbindungen zu anderen Angriffen auf die Energieversorgung untersuchen.

Dazu gehören die Auswertung von Spuren, technischen Erkenntnissen und veröffentlichten Erklärungen.

Ob die Gruppe „Kinder des Zorns“ tatsächlich über feste organisatorische Strukturen verfügt, ist derzeit nicht abschließend geklärt.

Auch über mögliche weitere Tatbeteiligte liegen öffentlich keine gesicherten Informationen vor.

Berlin hat wiederholt Angriffe auf Stromleitungen erlebt

Der Vorfall reiht sich in mehrere Angriffe auf die Berliner Energieinfrastruktur ein.

Bereits in der Vergangenheit wurden Stromtrassen und technische Versorgungsanlagen beschädigt. Einige dieser Angriffe wurden von Gruppen aus dem linksextremistischen Spektrum beansprucht.

Besonders schwerwiegende Folgen hatte ein Stromanschlag im Januar 2026, der zu einem außergewöhnlich langen Versorgungsausfall in der Hauptstadt führte.

Solche Taten können erhebliche Auswirkungen auf Unternehmen, öffentliche Einrichtungen und private Haushalte haben.

Die wirtschaftlichen Schäden beschränken sich dabei nicht allein auf zerstörte Kabel oder technische Anlagen.

Auch Produktionsausfälle, Betriebsunterbrechungen und zusätzliche Kosten für Ersatzstrom können die betroffenen Unternehmen erheblich belasten.

Schutz kritischer Infrastruktur gewinnt an Bedeutung

Der Anschlag von Marzahn wirft erneut Fragen nach der Sicherheit zentraler Versorgungsnetze auf.

Bei Stromleitungen, Telekommunikationsanlagen und anderen technischen Einrichtungen müssen Betreiber und Behörden abwägen, wie stark einzelne Anlagen geschützt werden können.

Eine vollständige Überwachung sämtlicher Leitungsabschnitte ist praktisch kaum möglich.

Besonders wichtig sind deshalb Schutzkonzepte, die Schäden begrenzen und eine schnelle Wiederherstellung der Versorgung ermöglichen.

Der Fall zeigt außerdem, dass Angriffe auf Infrastruktur nicht zwangsläufig eine großflächige Stromunterbrechung auslösen müssen, um wirtschaftliche Schäden zu verursachen.

Bereits der Ausfall weniger Betriebe kann erhebliche Konsequenzen haben.

Die Ermittlungen in Marzahn dauern an. Entscheidend wird sein, ob der Staatsschutz die Verfasser des Bekennerschreibens identifizieren und die Verantwortlichen für den Brandanschlag ermitteln kann.