Berlin. Große Opernstimmen, virtuose Instrumentalisten und überraschende musikalische Grenzgänge: Mit einer festlichen Gala im Konzerthaus Berlin ist am Sonntagabend, 11. Oktober 2026, das diesjährige OPUS-KLASSIK-Wochenende zu Ende gegangen. Zwei Tage lang standen herausragende Künstler, Ensembles und musikalische Projekte im Mittelpunkt. Neben international bekannten Namen wie Jonas Kaufmann, Alice Sara Ott und Sarah Willis erhielten auch junge Talente und Menschen, die sich abseits der großen Bühnen für die Musik einsetzen, besondere Aufmerksamkeit.
Die Veranstaltungen zeigten, wie vielfältig klassische Musik heute sein kann. Oper und Klavierliteratur trafen auf Filmmusik, kubanische Rhythmen und zeitgenössische Kompositionen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass sich die Klassikbranche zunehmend mit Fragen der Digitalisierung, künstlichen Intelligenz und musikalischen Bildung beschäftigt.
Jonas Kaufmann und Katharina Konradi eröffnen die Gala
Den festlichen Auftakt der Gala gestalteten Startenor Jonas Kaufmann und Sopranistin Katharina Konradi. Gemeinsam interpretierten sie das Duett „Tanzen möcht' ich“ aus Emmerich Kálmáns Operette „Die Csárdásfürstin“.
Durch den Abend führte die Schauspielerin und Moderatorin Désirée Nosbusch. Für die orchestrale Begleitung sorgte das Konzerthausorchester Berlin unter der Leitung der Dirigentin Anna Rakitina.
Das musikalische Programm führte durch unterschiedliche Epochen, Stilrichtungen und Klangwelten. Einen besonderen Platz nahm die international gefeierte Pianistin Martha Argerich ein, die mit dem OPUS KLASSIK für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurde.
Mit dieser Ehrung würdigten die Veranstalter eine Künstlerin, deren jahrzehntelanges Wirken die internationale Klavierwelt geprägt hat.
Von Rachmaninow bis Miley Cyrus
Dass sich der OPUS KLASSIK längst nicht mehr auf ein enges Verständnis klassischer Musik beschränkt, zeigte die Auswahl der Auftritte.
Der junge Pianist Alexander Malofeev, ausgezeichnet als Nachwuchskünstler des Jahres, präsentierte Werke von Sergej Rachmaninow. Die Pianistin Alice Sara Ott interpretierte John Fields Nocturne Nr. 9 aus ihrem ausgezeichneten Album.
Mit Shira Patchornik und den CHAARTS Chamber Artists erklang eine Arie des italienischen Komponisten Niccolò Piccinni. Der Bariton Andrè Schuen widmete sich mit „Non più andrai“ aus Mozarts Oper „Le nozze di Figaro“ einem der bekanntesten Werke des Opernrepertoires.
Andere Künstler gingen bewusst über traditionelle Genregrenzen hinaus.
Die Violinistin Esther Abrami, ausgezeichnet in der Kategorie „Klassik ohne Grenzen“, spielte neben ihrer eigenen Komposition „Envoûtée“ auch „Flowers“, bekannt durch die amerikanische Popsängerin Miley Cyrus.
Das Gitarrenduo Café del Mundo verband klassische Gitarrenmusik mit Einflüssen aus Film- und Weltmusik. Zu hören waren unter anderem „Una Mattina“, „Arabian Nights“ und Musik aus Hans Zimmers Film „Interstellar“.
Einen besonders ungewöhnlichen Akzent setzte Sarah Willis mit ihrer Formation The Sarahbanda. Ihre „Sarahnade Mambo“ verbindet Mozarts „Eine kleine Nachtmusik“ mit kubanischen Rhythmen.
Die unterschiedlichen Beiträge machten deutlich, dass die Veranstalter klassische Musik nicht allein als Bewahrung historischer Werke verstehen, sondern auch ihre Weiterentwicklung und Verbindung mit anderen musikalischen Ausdrucksformen auszeichnen.
Alice Sara Ott warnt vor Beliebigkeit durch künstliche Intelligenz
Neben den musikalischen Darbietungen brachte die Gala eine Debatte auf die Bühne, die längst nicht mehr nur die Musikindustrie betrifft.
Die Pianistin Alice Sara Ott sprach über die Veränderungen, die künstliche Intelligenz für Musiker, Komponisten und die Produktion von Musik mit sich bringt.
Während KI-Systeme inzwischen Musik erzeugen und digitale Plattformen die Veröffentlichung und Verbreitung von Aufnahmen grundlegend verändert haben, stellt sich für die Branche zunehmend die Frage nach dem Wert menschlicher Kreativität.
Ott forderte eine klare Unterscheidung zwischen künstlicher Intelligenz als technischem Hilfsmittel und Musik, die von Menschen geschaffen wird.
Hinter dieser Forderung steht ein grundlegender Konflikt: Digitale Werkzeuge können künstlerische Arbeit unterstützen, zugleich aber auch die Grenzen zwischen menschlicher Leistung und automatisiert erzeugten Inhalten verwischen.
Für Künstler stellt sich damit nicht nur eine ästhetische Frage. Auch Urheberrechte, Vergütung und die wirtschaftliche Zukunft professioneller Musiker sind betroffen.
Die Äußerungen der Pianistin verliehen der Preisverleihung eine gesellschaftliche Dimension, die über die Würdigung einzelner Aufnahmen und Konzerte hinausreichte.
Kulturstaatsminister Weimer betont Bedeutung der Musik
Auch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hob die gesellschaftliche Bedeutung des musikalischen Lebens in Deutschland hervor.
Nach seinen Angaben musizieren hierzulande rund 16 Millionen Menschen. Hinzu kommen mehr als 40.000 Chöre und etwa 12.000 Musikvereine.
Damit sei klassische Musik nicht allein eine Angelegenheit großer Konzerthäuser und internationaler Solisten.
Sie werde ebenso von Menschen getragen, die in örtlichen Chören singen, in Vereinen musizieren oder sich in ihrer Freizeit intensiv mit Musik beschäftigen.
Gerade für kleinere Städte und ländliche Regionen sind Musikschulen, Orchester und Chöre wichtige Bestandteile des kulturellen Lebens.
Sie ermöglichen musikalische Bildung, schaffen Begegnungen zwischen den Generationen und tragen dazu bei, dass kulturelle Angebote nicht ausschließlich in den großen Metropolen stattfinden.
Die Botschaft des Abends lautete deshalb auch, die vielen Menschen sichtbar zu machen, ohne deren Engagement eine lebendige Musikkultur nicht möglich wäre.
Erstmals ein Preis für den Musiklehrer des Jahres
Einen neuen Schwerpunkt setzte der OPUS KLASSIK mit einer erstmals vergebenen Sonderauszeichnung.
Gemeinsam mit dem Deutschen Musikrat wurde der Preis „Musiklehrer des Jahres“ eingeführt.
Die Auszeichnung ging an Florian Aschenbrenner, dessen Engagement in der Musikpädagogik damit besonders gewürdigt wurde.
Im Mittelpunkt stehen innovative, individuelle und nachhaltige Wege, jungen Menschen musikalische Fähigkeiten zu vermitteln.
Die neue Kategorie richtet den Blick bewusst auf ein Berufsfeld, das bei großen Preisverleihungen häufig weniger Aufmerksamkeit erhält als die Auftritte internationaler Stars.
Dabei beginnt die Laufbahn vieler erfolgreicher Musiker in einer Musikschule, einem Schulorchester oder durch die Förderung engagierter Lehrkräfte.
Die Veranstalter wollen deshalb nicht nur herausragende künstlerische Leistungen würdigen, sondern auch jene Menschen, die die Grundlagen für das Musikleben von morgen schaffen.
Nachhaltigkeitspreis für Musik mit Alltagsgegenständen
Ein weiterer Sonderpreis beschäftigte sich mit der Verbindung von Musik, Innovation und Nachhaltigkeit.
Der Komponist Gregor A. Mayrhofer erhielt den Innovationspreis für Nachhaltigkeit für sein „Recycling Concerto“.
Das Werk greift die Idee auf, Alltagsgegenstände in musikalische Klangerzeuger zu verwandeln.
Damit wird ein Thema aufgegriffen, das inzwischen auch Konzertveranstalter, Orchester und Kulturinstitutionen beschäftigt: Wie lassen sich künstlerische Produktion und ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen miteinander verbinden?
Mayrhofers Projekt zeigt, dass sich Nachhaltigkeit nicht allein auf organisatorische Fragen wie Reisen, Energieverbrauch oder Veranstaltungstechnik beschränken muss.
Sie kann selbst zum Ausgangspunkt eines künstlerischen Konzepts werden.
Das OPUS-KLASSIK-Wochenende begann in der Fotografiska
Bereits am Samstag, 10. Oktober, hatte das OPUS-KLASSIK-Konzert in der Fotografiska Berlin den Auftakt des Wochenendes gebildet.
Moderiert wurde die Veranstaltung von Anna Novák.
Auf dem Programm standen Musiker und Ensembles, die klassische Musik aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten.
Das vision string quartet verband Einflüsse bulgarischer Tradition mit zeitgenössischen Kompositionen von Joel Lyssarides und Sander Stuart.
Das WuWei Trio präsentierte eine ungewöhnliche Besetzung aus Sheng, Viola und Kontrabass. Das Ensemble interpretierte Antonio Vivaldis „La Folia“.
Auch die Nachwuchskünstler Simon Tetzlaff und Marcel Brunner standen auf der Bühne. Beide wurden in der Kategorie Nachwuchskünstler des Jahres ausgezeichnet.
Eine besondere Rolle spielte zudem die Beteiligung junger Menschen an der Preisvergabe.
Kirill Richter erhielt den OPUS KLASSIK School für sein Musikvideo zu „Walzer Nr. 7“. Über diese Auszeichnung entscheidet eine Jury aus Schülerinnen und Schülern.
Damit erhalten junge Menschen nicht nur Zugang zu klassischer Musik, sondern auch die Möglichkeit, künstlerische Leistungen selbst zu beurteilen.
Zwischen Tradition und Zukunft
Der OPUS KLASSIK zählt zu den wichtigen Auszeichnungen für klassische Musik in Deutschland.
Eine unabhängige elfköpfige Jury entscheidet über Preise in insgesamt 30 Kategorien.
Seit seiner Premiere im Jahr 2018 hat sich die Veranstaltung zu einem Forum entwickelt, das neben etablierten Künstlern zunehmend auch musikalische Bildung, Innovationen und genreübergreifende Projekte berücksichtigt.
Die diesjährige Ausgabe knüpfte daran an.
Mit großen Opernstimmen, international erfolgreichen Instrumentalisten und aufstrebenden Nachwuchstalenten wurde die Vielfalt des heutigen Musiklebens sichtbar.
Gleichzeitig standen Fragen im Mittelpunkt, die für die kommenden Jahre entscheidend werden dürften: Welche Rolle spielt der Mensch in einer zunehmend digitalisierten Musikproduktion? Wie lassen sich junge Talente fördern? Und wie kann klassische Musik für neue Generationen zugänglich bleiben?
Die Gala wurde am Sonntagabend um 22.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt. Seit Montag, 12. Oktober, um 10 Uhr ist die Sendung zudem im Streamingangebot des Senders verfügbar.
Der OPUS KLASSIK 2026 war damit nicht nur eine Feier musikalischer Spitzenleistungen. Er zeigte auch, wie sehr sich die klassische Musik zwischen jahrhundertealter Tradition und den Herausforderungen einer digitalen Zukunft bewegt.