Berlin. Die Hauptstadt erreicht einen wichtigen Meilenstein bei der Digitalisierung ihrer Stromversorgung: Anfang Oktober wurde im Gewerbehof Bülowbogen in Berlin-Schöneberg der 100.000. intelligente Stromzähler installiert. Damit gehört Stromnetz Berlin nach eigenen Angaben bundesweit zu den führenden Netzbetreibern beim Ausbau sogenannter Smart Meter. Die Geräte sollen Stromverbrauch transparenter machen, dynamische Tarife ermöglichen und das Stromnetz auf die Anforderungen der Energiewende vorbereiten.
100.000 intelligente Stromzähler installiert
Seit Sommer 2020 baut Stromnetz Berlin intelligente Messsysteme in der Hauptstadt ein. Den ersten Smart Meter installierte das Unternehmen im August 2020 auf dem EUREF-Campus in Schöneberg.
Inzwischen hat sich der Einbau zu einem umfangreichen Modernisierungsprogramm entwickelt.
Stromnetz Berlin ist für rund 2,4 Millionen Stromzähler verantwortlich. Nach Unternehmensangaben wurde bereits etwa die Hälfte der gesetzlich vorgesehenen Pflichteinbaufälle umgesetzt.
Auch die Liegenschaften des Landes Berlin wurden in den vergangenen Monaten mit rund 5.000 intelligenten Stromzählern ausgestattet.
Die Geräte übermitteln ihre Messwerte automatisch. Eine manuelle Ablesung ist dadurch nicht mehr erforderlich.
Was können die neuen Smart Meter?
Anders als herkömmliche Stromzähler erfassen intelligente Messsysteme den Stromverbrauch in kurzen Zeitabständen und übertragen die Daten digital.
Die Berliner Geräte messen den Verbrauch alle 15 Minuten. Ein sogenanntes Smart-Meter-Gateway übermittelt die Werte einmal täglich über eine verschlüsselte Mobilfunkverbindung.
Dadurch können Verbraucher ihren Energiebedarf genauer nachvollziehen.
Zugleich schaffen die Messsysteme eine technische Grundlage für dynamische Stromtarife, bei denen sich der Strompreis abhängig von den Bedingungen am Strommarkt verändern kann.
Die Technik wurde inzwischen weiterentwickelt: Während früher jeder Zähler ein eigenes Gateway benötigte, kann heute ein Gateway bis zu sechs Stromzähler bedienen.
Nicht jeder Haushalt benötigt einen Smart Meter
Die neuen Geräte werden nicht automatisch in allen Berliner Haushalten installiert.
Für bestimmte Anlagen, darunter größere Photovoltaikanlagen oder bestimmte Wallboxen zum Laden von Elektrofahrzeugen, bestehen gesetzliche Einbaupflichten.
Stromnetz Berlin stattet neue Anlagen bereits standardmäßig mit digitalen Stromzählern aus, die bei Bedarf zu intelligenten Messsystemen erweitert werden können.
Auch Kunden, für die keine Einbaupflicht besteht, können einen Smart Meter beim Netzbetreiber bestellen.
Stromnetz soll künftig flexibler werden
Der nächste Entwicklungsschritt sind zusätzliche Steuerboxen.
Sie sollen es Netzbetreibern ermöglichen, bei außergewöhnlichen Netzengpässen bestimmte steuerbare Verbrauchseinrichtungen zeitweise in ihrer Leistungsaufnahme zu begrenzen.
Damit soll das Stromnetz auch dann stabil bleiben, wenn gleichzeitig viele Elektroautos geladen oder andere größere Stromverbraucher betrieben werden.
Die Digitalisierung ist vor allem deshalb wichtig, weil erneuerbare Energien und neue Verbrauchstechnologien andere Anforderungen an die Stromversorgung stellen als bisher.
Mit dem Einbau des 100.000. intelligenten Stromzählers setzt Berlin seinen Netzausbau fort. Für Verbraucher verspricht die Technik mehr Transparenz beim Energieverbrauch – für den Netzbetreiber bessere Voraussetzungen, um die Stromversorgung langfristig zuverlässig und flexibel zu gestalten.
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