Beelitz. Weniger Platz in den Zügen, längere Fahrzeiten und künftig keine direkte Verbindung mehr zum Potsdamer Hauptbahnhof während der wichtigsten Pendlerzeiten: Die Stadt Beelitz schlägt wegen geplanter Einschränkungen im Regionalbahnverkehr Alarm. Gleich drei Bahnlinien, die für die Anbindung der Stadt an Potsdam und Berlin entscheidend sind, stehen in der Kritik. Bürgermeister Bernhard Knuth bezeichnet die angekündigten Verschlechterungen als nicht hinnehmbar und warnt vor einem zunehmenden Vertrauensverlust in den öffentlichen Nahverkehr.
Auslöser der deutlichen Kritik sind Änderungen beim Regionalexpress RE7 und bei der Regionalbahn RB33. Hinzu kommen die seit Langem bestehenden Probleme auf der Linie RB37, die nach Angaben der Stadt nahezu täglich von Zugausfällen oder verkürzten Fahrten betroffen ist.
Besonders problematisch ist die Situation für Berufspendler, Auszubildende und Beschäftigte der großen medizinischen Einrichtungen in Beelitz-Heilstätten.
RE7 soll ab November wieder mit weniger Wagen fahren
Bereits Anfang November droht Fahrgästen der Regionalexpresslinie RE7 eine Verschlechterung.
Nach Angaben der Stadt Beelitz ist vorgesehen, die Züge außerhalb der Hauptverkehrszeiten wieder mit nur einem statt bisher zwei gekoppelten Triebzügen fahren zu lassen.
Dadurch würde sich die verfügbare Platzkapazität auf den betroffenen Fahrten deutlich reduzieren.
Für Reisende könnte das insbesondere dann problematisch werden, wenn die Züge stark ausgelastet sind.
Die RE7 gehört zu den wichtigsten Schienenverbindungen für Beelitz. Sie stellt eine bedeutende Anbindung an Potsdam und Berlin her und wird sowohl von Berufspendlern als auch von anderen Fahrgästen genutzt.
Die geplante Verringerung der Zugkapazität trifft damit eine Strecke, auf der viele Menschen auf ein verlässliches Angebot angewiesen sind.
RB33 fährt künftig nicht mehr direkt zum Potsdamer Hauptbahnhof
Noch gravierender sind aus Sicht der Stadt die geplanten Änderungen bei der Regionalbahnlinie RB33.
Der am Mittwoch, 14. Oktober 2026, veröffentlichte Jahresfahrplan für 2027 sieht vor, dass die RB33 während der Hauptverkehrszeiten von Beelitz Stadt nicht mehr direkt zum Potsdamer Hauptbahnhof fährt.
Stattdessen sollen die Züge künftig zum Bahnhof Potsdam Park Sanssouci geleitet werden.
Die Änderung soll mit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2026 wirksam werden.
Damit würde eine wichtige direkte Zugverbindung aus Beelitz in die Potsdamer Innenstadt entfallen.
Fahrgäste, die weiterhin zum Potsdamer Hauptbahnhof gelangen möchten, müssten umsteigen und nach Angaben der Stadt eine rund 20 Minuten längere Fahrzeit einplanen.
Für Pendler, die täglich mit dem Zug zur Arbeit oder Ausbildung fahren, summiert sich diese zusätzliche Reisezeit erheblich.
Bereits bei einer einfachen Fahrtverlängerung von 20 Minuten entstehen bei fünf Arbeitstagen pro Woche mehr als drei Stunden zusätzliche Reisezeit, sofern die längere Verbindung täglich genutzt wird.
Wer sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg betroffen ist, muss entsprechend noch mehr Zeit einkalkulieren.
Bürgermeister Bernhard Knuth spricht von untragbarer Situation
Beelitz' Bürgermeister Bernhard Knuth kritisiert die angekündigten Änderungen deutlich.
„Für Beelitz ergeben sich dadurch aus dem gesamten Stadtgebiet inklusive fast aller Ortsteile deutliche Verschlechterungen der Anbindung an Potsdam und Berlin, die so für uns nicht hinnehmbar sind!“, erklärt Knuth.
Viele Einwohner seien auf funktionierende Zugverbindungen angewiesen, um ihre Arbeitsplätze oder Ausbildungsstätten zu erreichen.
Dabei gehe es nicht allein um Menschen, die Beelitz täglich verlassen.
Auch zahlreiche Beschäftigte und Besucher seien darauf angewiesen, aus anderen Städten nach Beelitz zu gelangen.
Gerade die medizinischen Einrichtungen in Beelitz-Heilstätten spielen dabei eine wichtige Rolle.
Dort befinden sich nach Angaben der Stadt unter anderem das einzige staatlich ausgewiesene Parkinsonzentrum Brandenburgs sowie die größte Akutneurologie Ostdeutschlands.
Die Kliniken besitzen damit eine Bedeutung, die weit über Beelitz und den Landkreis Potsdam-Mittelmark hinausreicht.
Eine schlechtere Bahnanbindung könne deshalb nicht nur Berufspendler, sondern auch Beschäftigte und Besucher der medizinischen Einrichtungen treffen.
RB37 fällt nach Stadtangaben fast täglich aus
Zusätzlich zu den angekündigten Änderungen bei RE7 und RB33 kritisiert die Stadt die anhaltenden Probleme bei der Regionalbahnlinie RB37.
Die Verbindung zwischen Beelitz Stadt und Berlin-Wannsee wurde im Dezember 2022 eingeführt.
Nach Darstellung der Stadtverwaltung ist sie seit ihrem Start jedoch immer wieder von erheblichen Einschränkungen betroffen.
Aktuell falle die RB37 nahezu täglich aus oder ende bereits vorzeitig in Potsdam-Rehbrücke.
Damit könne die Verbindung ihre vorgesehene Funktion als verlässliches zusätzliches Bahnangebot nur eingeschränkt erfüllen.
Für Fahrgäste bedeutet ein vorzeitiges Fahrtende, dass sie ihre Reise mit anderen Verkehrsmitteln fortsetzen oder auf spätere Verbindungen ausweichen müssen.
Besonders problematisch ist das bei regelmäßigen Fahrten, für die feste Ankunftszeiten erforderlich sind.
Aus Sicht der Stadt fehlt bislang ein überzeugendes Konzept, mit dem sich die Zuverlässigkeit der Verbindung dauerhaft verbessern ließe.
Vier Bahnhöfe, aber immer schlechtere Verbindungen
Die Kritik der Stadt wiegt auch deshalb schwer, weil Beelitz grundsätzlich über vergleichsweise gute Voraussetzungen für den öffentlichen Schienenverkehr verfügt.
Mit vier Bahnhöfen ist das Stadtgebiet an mehrere regionale Bahnverbindungen angeschlossen.
Diese Infrastruktur bietet die Möglichkeit, große Teile der Stadt und ihrer Ortsteile mit Potsdam, Berlin und weiteren Zielen in der Region zu verbinden.
Allerdings reicht eine vorhandene Schieneninfrastruktur allein nicht aus, wenn Züge regelmäßig ausfallen, Verbindungen gestrichen oder Kapazitäten reduziert werden.
Für Fahrgäste zählt vor allem, ob die angebotenen Verbindungen im Alltag zuverlässig funktionieren.
Die Stadt sieht deshalb einen erheblichen Widerspruch zwischen den politischen Zielen zur Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs und der tatsächlichen Entwicklung des Bahnangebots.
Kritik an der Verkehrswende
Bürgermeister Knuth warnt ausdrücklich vor den langfristigen Folgen der Einschränkungen.
„In der Summe führt das alles dazu, dass die Menschen das Vertrauen in den regionalen Zugverkehr verlieren“, erklärt er.
Gerade für eine wachsende Stadt wie Beelitz sei dies problematisch.
Wenn Menschen nicht mehr sicher sein könnten, ob ihre Züge fahren oder sie ihre Ziele rechtzeitig erreichen, verliere der Schienenverkehr an Attraktivität.
Das könne dazu führen, dass Berufspendler wieder stärker auf das eigene Auto zurückgreifen.
Damit würden die Bemühungen erschwert, den öffentlichen Nahverkehr als Alternative zum motorisierten Individualverkehr auszubauen.
„In einer wachsenden Stadt, die grundsätzlich mit vier Bahnhöfen über gute Voraussetzungen verfügt, ist das in Zeiten einer von der Politik oft beschworenen Verkehrswende ein ganz schlechtes Zeichen“, so Knuth.
Was sich für Bahnreisende konkret ändern soll
Für Fahrgäste in Beelitz zeichnen sich nach Angaben der Stadtverwaltung mehrere Einschränkungen ab.
Ab Anfang November 2026 soll die Kapazität der RE7 außerhalb der Hauptverkehrszeiten reduziert werden.
Mit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember soll die RB33 zu wichtigen Pendlerzeiten nicht mehr direkt zum Potsdamer Hauptbahnhof fahren, sondern nach Potsdam Park Sanssouci umgeleitet werden.
Die daraus entstehenden Umsteigeverbindungen verlängern die Reisezeit nach Angaben der Stadt um rund 20 Minuten.
Gleichzeitig bleiben die anhaltenden Zugausfälle und verkürzten Fahrten der RB37 ein ungelöstes Problem.
Insgesamt sieht Beelitz dadurch eine erhebliche Verschlechterung der Schienenanbindung an die Landeshauptstadt Potsdam und an Berlin.
Stadt fordert verlässlichen Regionalverkehr
Die Pressemitteilung der Stadt macht deutlich, dass die geplanten Fahrplanänderungen auf erheblichen Widerstand stoßen.
Im Mittelpunkt steht dabei nicht eine einzelne Verspätung oder eine vorübergehende Baumaßnahme, sondern die grundsätzliche Qualität des regionalen Bahnangebots.
Aus Sicht der Stadt müssen vorhandene Verbindungen zuverlässig funktionieren und ausreichend Kapazität für die Fahrgäste bieten.
Zudem sollte die direkte Anbindung an wichtige Verkehrsknotenpunkte erhalten bleiben.
Ob die angekündigten Änderungen bei RE7 und RB33 noch angepasst werden, ist derzeit offen. Eine Stellungnahme des zuständigen Verkehrsverbunds oder der Eisenbahnunternehmen zu den konkreten Kritikpunkten liegt in der Mitteilung der Stadt nicht vor.
Für die betroffenen Fahrgäste bleibt damit vorerst Unsicherheit.
Fest steht: Sollte der neue Fahrplan wie angekündigt umgesetzt werden, müssen sich zahlreiche Menschen in Beelitz ab Dezember auf längere Wege und zusätzliche Umstiege einstellen.