Bad Kösen war nicht nur die Heimat der Puppenwerkstätten von Käthe Kruse. In der Stadt wurden später auch Kunststoff-Baukästen und Spielwaren der Marke PEBE hergestellt. Eine Ausstellung im Romanischen Haus erinnert an das Unternehmen und an ein Produkt, das in zahlreichen DDR-Kinderzimmern zu finden war.
Baukästen förderten technisches Verständnis
Mit Kunststoffsteinen, Rädern, Achsen und weiteren Bauteilen konnten Kinder Häuser, Fahrzeuge und technische Modelle zusammensetzen.
Das Spielzeug verband Fantasie mit räumlichem Denken und einfachen technischen Prinzipien.
Viele ehemalige Nutzer verbinden mit PEBE persönliche Erinnerungen. Dadurch ist die Ausstellung nicht nur für Sammler interessant, sondern auch für Familien, die ihre eigene Kindheit wiederentdecken möchten.
Bad Kösen besaß industrielle Spielzeugtradition
Die Produktion zeigt eine oft übersehene Seite des Kurortes.
Bad Kösen lebte nicht ausschließlich von Gesundheit, Tourismus und Sole. Gewerbliche Betriebe boten Arbeitsplätze und stellten Waren für den überregionalen Markt her.
Die Geschichte von PEBE gehört deshalb zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Stadt.
Ausstellung reicht von der Nachkriegszeit bis 1990
Das Museum zeichnet nach, wie sich der Betrieb in der Nachkriegszeit entwickelte und bis zum Ende der DDR veränderte.
Dabei geht es nicht nur um einzelne Spielzeuge. Produktionsbedingungen, Materialversorgung und staatliche Wirtschaftsstrukturen beeinflussten, welche Produkte entwickelt und in welchen Mengen sie hergestellt werden konnten.
Auch die Veränderungen nach 1990 gehören zu dieser Geschichte.
Ostdeutsche Alltagsgeschichte wird greifbar
Museen zeigen häufig Politik, Kriege oder bedeutende Persönlichkeiten.
Alltagsgegenstände können jedoch ebenso viel über eine Gesellschaft erzählen. Spielzeug zeigt, welche Materialien verfügbar waren, welche Fähigkeiten gefördert wurden und welche Produkte Familien kaufen konnten.
PEBE-Baukästen stehen damit für Erfindungsgeist und industrielle Fertigung, aber auch für die Grenzen der DDR-Wirtschaft.
Eigenständiges Profil für das Romanische Haus
Mit Käthe Kruse und PEBE besitzt das Romanische Haus zwei eng mit Bad Kösen verbundene Spielzeugthemen.
Diese Kombination ist ungewöhnlich und könnte stärker touristisch vermarktet werden. Sonderführungen, Bautage oder Angebote für Kinder könnten beide Traditionen miteinander verbinden.
Die Ausstellung bewahrt damit ein Stück ostdeutscher Industriegeschichte, das sonst leicht aus dem öffentlichen Gedächtnis verschwinden würde.
Quellen
- Stadtmuseum Naumburg: Ausstellung zur Kösener Spielzeugfabrik PEBE.
- Romanisches Haus Bad Kösen: Informationen zur Stadt- und Spielzeuggeschichte.
- Saale-Unstrut-Tourismus: Besucherinformationen zum Romanischen Haus.