In Senftenberg haben das städtische Ordnungsamt und der Zoll einem umstrittenen Ankaufsangebot ein Ende gesetzt. Bei einer gemeinsamen Kontrolle am Mittwoch, 21. Oktober 2026, wurde ein kurzfristig angemietetes Ladengeschäft in der Bahnhofstraße geschlossen. Der Betreiber hatte mit dem Ankauf von Gold, Schmuck, Pelzen und zahlreichen weiteren Wertgegenständen geworben. Die Stadtverwaltung warnt nun vor unseriösen Händlern, die mit vermeintlich günstigen Sonderaktionen insbesondere ältere Menschen zu schnellen Geschäften bewegen könnten.
Ordnungsamt und Zoll schließen Geschäft in der Bahnhofstraße
Ein kurzfristig angemietetes Ladengeschäft in der Senftenberger Bahnhofstraße ist nach einer gemeinsamen Kontrolle von Ordnungsamt und Zoll geschlossen worden.
Nach Angaben der Stadtverwaltung war der Betreiber dort als sogenannter fliegender Händler tätig. Mit der vorübergehenden Anmietung eines Ladenlokals sollte offenbar der Eindruck eines regulären Geschäfts vermittelt werden.
Bei der Kontrolle stellten die Behörden Unregelmäßigkeiten fest. Dem Betreiber wurde daraufhin die weitere Ankaufs- und Handelstätigkeit untersagt. Die Geschäftsräume wurden verschlossen.
Hintergrund sind die besonderen gesetzlichen Bestimmungen für das Reisegewerbe. Dort ist der Handel mit Edelmetallen und Edelsteinen aus Verbraucherschutzgründen grundsätzlich untersagt.
Die Stadt Senftenberg sieht in der kurzfristigen Nutzung eines Ladengeschäftes einen Versuch, diese Beschränkungen zu umgehen.
Gold, Zahngold, Pelze und sogar Nachlässe im Angebot
Die Werbemethoden solcher Händler folgen nach Angaben des Senftenberger Ordnungsamtes häufig einem ähnlichen Muster.
Mit auffällig gestalteten Flyern, Anzeigen in regionalen Zeitungen oder Postwurfsendungen wird der Ankauf unterschiedlichster Gegenstände angekündigt.
Dazu gehören Gold- und Modeschmuck, Silberbesteck, Designeruhren, Pelze, Orientteppiche und Porzellan.
Auch Nähmaschinen, Puppen, Trachtenmode, Perücken und ganze Nachlässe werden teilweise beworben.
Besonders auffällig ist das Angebot, Zahngold sowohl mit als auch ohne Zähne anzukaufen.
Die Werbung verspricht häufig eine zeitlich begrenzte Sonderaktion, die nur wenige Tage gilt.
Damit sollen potenzielle Kunden offenbar dazu bewegt werden, ihre Wertgegenstände möglichst kurzfristig anzubieten.
Händler warben mit kostenlosen Hausbesuchen im Umkreis von 80 Kilometern
Im aktuellen Senftenberger Fall wurde eine Sonderaktion über fünf Tage angekündigt.
Zusätzlich boten die Händler kostenlose Hausbesuche in einem Umkreis von 80 Kilometern an.
Solche Angebote können besonders für ältere Menschen attraktiv erscheinen, die nicht mehr selbst ein Geschäft aufsuchen möchten.
Die Stadtverwaltung warnt jedoch davor, unbekannten Ankäufern ohne vorherige Prüfung Zugang zur eigenen Wohnung zu gewähren.
Gerade bei wertvollen Gegenständen wie Goldschmuck, Münzen oder Erbstücken besteht das Risiko, dass Eigentümer deren tatsächlichen Marktwert nicht kennen.
Ein unter Zeitdruck abgeschlossenes Geschäft kann deshalb erhebliche finanzielle Nachteile mit sich bringen.
Ob im konkreten Senftenberger Fall bereits Kunden geschädigt wurden, geht aus der Mitteilung der Stadtverwaltung nicht hervor.
Bürgermeister Andreas Pfeiffer lobt schnelles Eingreifen
Senftenbergs Bürgermeister Andreas Pfeiffer begrüßt das Vorgehen von Ordnungsamt und Zoll.
„Gut, dass dem unlauteren Treiben in der Bahnhofstraße durch das entschlossene Eingreifen von Ordnungsamt und Zoll am Mittwoch ein schnelles Ende gesetzt werden konnte“, erklärte er.
Zugleich appellierte Pfeiffer an die Bevölkerung, bei derartigen Angeboten aufmerksam zu bleiben.
„Bitte seien Sie wachsam, achten Sie auf Ihre Nachbarn und ältere Angehörige und lassen sich auf solche dubiosen Spontangeschäfte nicht ein.“
Die Stadtverwaltung nimmt den Vorfall zum Anlass, die Bevölkerung über typische Merkmale unseriöser Ankaufsangebote zu informieren.
Woran Bürger unseriöse Ankäufer erkennen können
Nach Angaben des Ordnungsamtes gibt es mehrere Warnzeichen, die auf ein zweifelhaftes Geschäftsmodell hindeuten können.
Besonders auffällig sind provisorisch eingerichtete Verkaufs- oder Ankaufsräume.
Teilweise fehlen eine übliche Ladeneinrichtung, festes Mobiliar, eine Registrierkasse oder eine erkennbare Schaufenstergestaltung.
Auch nicht vorhandene oder ungeeignete Waagen können ein Warnsignal sein.
Die Räume wirken häufig so, als würden sie nur für einen sehr kurzen Zeitraum genutzt.
Hinzu kommen Werbeaktionen, die den Eindruck vermitteln, Wertgegenstände könnten ausschließlich an wenigen festgelegten Tagen verkauft werden.
Durch diese zeitliche Begrenzung kann Druck entstehen, sich schnell für einen Verkauf zu entscheiden.
Ein weiteres Warnzeichen ist es, wenn Händler keine ordnungsgemäßen Quittungen oder Belege ausstellen.
Warum Goldankäufe besonders sensibel sind
Gold und andere Edelmetalle besitzen einen materiellen Wert, der vom aktuellen Marktpreis und vom jeweiligen Feingehalt abhängt.
Für private Verkäufer ist dieser Wert nicht immer leicht zu erkennen.
Besonders bei älterem Schmuck, Münzen oder geerbten Wertgegenständen können zusätzliche Faktoren eine Rolle spielen.
Wer solche Gegenstände verkaufen möchte, sollte deshalb nicht ausschließlich auf die erste angebotene Summe vertrauen.
Ein unabhängiger Preisvergleich bei mehreren Fachhändlern kann helfen, den tatsächlichen Verkaufswert besser einzuschätzen.
Wichtig sind außerdem nachvollziehbare Angaben zu Gewicht, Material und Berechnung des Ankaufspreises.
Seriöse Händler sollten Kunden ausreichend Zeit für ihre Entscheidung lassen und ordnungsgemäße Unterlagen über das Geschäft ausstellen.
Stadt empfiehlt etablierte Fachgeschäfte und Juweliere
Die Stadt Senftenberg rät dazu, Gold und Schmuck ausschließlich bei etablierten, ortsansässigen Fachgeschäften und Juwelieren anzubieten.
Insbesondere bei kurzfristig angekündigten Sonderaktionen sollten Verbraucher die Angebote sorgfältig prüfen.
Das Ordnungsamt empfiehlt, auf die Geschäftsausstattung, die Seriosität der Werbung und die Ausstellung ordnungsgemäßer Belege zu achten.
Wer sich unter Druck gesetzt fühlt, sollte kein Geschäft abschließen.
Auch Angehörige älterer Menschen können helfen, zweifelhafte Angebote frühzeitig zu erkennen.
Verdächtige Beobachtungen beim Ordnungsamt melden
Die Stadtverwaltung bittet Bürger, verdächtige Geschäftspraktiken oder unangemessene Bedrängungen zu melden.
Das Ordnungsamt der Stadt Senftenberg ist unter der Telefonnummer 03573 701-220 erreichbar.
In dringenden Fällen können sich Betroffene unmittelbar an die Polizei wenden.
Die Schließung des kurzfristig angemieteten Geschäfts in der Bahnhofstraße zeigt nach Einschätzung der Stadt, wie wichtig gemeinsame Kontrollen der zuständigen Behörden sind.
Mit ihrer Warnung möchte die Verwaltung verhindern, dass weitere Bürger durch zweifelhafte Ankaufsangebote finanzielle Nachteile erleiden.