Das Kunstmuseum Moritzburg Halle präsentiert vom 2. August bis zum 25. Oktober 2026 die erste umfassende Retrospektive zum Werk Edmund Kestings. Unter dem Titel „Edmund Kesting. Avantgardist“ werden 227 Arbeiten aus mehr als 40 öffentlichen und privaten Sammlungen gezeigt.
Die Ausstellung soll einen Künstler wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken, der über Jahrzehnte kaum in Museen vertreten war. Die Leihgaben stammen aus Deutschland, Belgien, Österreich und der Schweiz.
Grenzgänger zwischen Malerei und Fotografie
Edmund Kesting wurde 1892 in Dresden geboren und arbeitete über mehr als fünf Jahrzehnte hinweg mit unterschiedlichen Techniken.
Sein Werk umfasst:
- expressionistische Malerei,
- abstrakte und figurative Arbeiten,
- Collagen und räumliche Bildkonstruktionen,
- Fotogramme und Mehrfachbelichtungen,
- sogenannte chemische Malerei,
- informelle Kunst.
Besonders bedeutend sind seine in den 1920er-Jahren entstandenen „Bildbauwerke“. Kesting verschränkte Leinwände vor und hinter den Keilrahmen und verband sie mit reliefartigen Collagen. Damit überführte er die zweidimensionale Malerei in den Raum.
Viele Werke erstmals öffentlich zu sehen
Die Ausstellung ist in acht Kapitel gegliedert und zeichnet Kestings künstlerische Entwicklung von den Anfängen während des Ersten Weltkriegs bis zu seinen späten Arbeiten nach.
Im Mittelpunkt stehen die Bildbauwerke, Collagen, Papierarbeiten und räumlichen Konstruktionen. Viele dieser Werke werden erstmals überhaupt öffentlich gezeigt und stammen aus privaten Sammlungen.
Die Kuratoren Dr. Paul Kaiser und Thomas Bauer-Friedrich präsentieren Kesting als eigenständige Position innerhalb der europäischen Moderne und als Grenzgänger zwischen Malerei, Fotografie und Objektkunst.
Von zwei Diktaturen ausgegrenzt
Kestings Werk wurde ab 1933 von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamiert. Zwölf seiner Arbeiten wurden 1937 aus deutschen Museen entfernt und später zerstört.
Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb ihm auch in der DDR eine breite Anerkennung versagt. Im Zuge der Formalismusdebatte verlor er 1953 seine Lehrtätigkeit. Seine Arbeiten wurden wiederholt bei wichtigen Ausstellungen abgelehnt.
Museumsdirektor Thomas Bauer-Friedrich verweist darauf, dass Kesting während vier seiner acht Lebensjahrzehnte wegen der Kulturpolitik beider deutscher Diktaturen kaum öffentlich ausstellen konnte.
„56 Jahre nach seinem Tod holen wir mit unserer Ausstellung nach, was der Künstler zu Lebzeiten nicht erleben konnte, jedoch mehr als verdient hätte.“
Ostdeutscher Künstler der Moderne
Patricia Werner von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung bezeichnet Kesting als einen zu Unrecht vergessenen Großmeister der Moderne.
Die Stiftung unterstütze die Ausstellung auch deshalb, weil ihr die stärkere Wahrnehmung herausragender ostdeutscher Kunst seit Jahren ein wichtiges Anliegen sei.
Staatssekretär Sebastian Putz würdigte Kestings Experimentierfreude, seine Unangepasstheit und seine künstlerische Kühnheit.
Stationen von Dresden bis Ahrenshoop
Kesting studierte an der Dresdner Kunstgewerbeschule und später an der Kunstakademie. Bereits 1916 erhielt er seine erste Einzelausstellung.
In den 1920er-Jahren stand er in Verbindung mit der Sturm-Galerie von Herwarth Walden und nahm an internationalen Ausstellungen in Berlin, Moskau, New York, Buffalo und Toronto teil.
Nach 1945 entstand seine bekannte Fotoserie „Totentanz Dresden“. Später lehrte er unter anderem in Berlin-Weißensee und Potsdam-Babelsberg. Seit den 1960er-Jahren verbrachte er regelmäßig die Sommermonate in Ahrenshoop. Kesting starb 1970 in Birkenwerder.
Ausstellung wandert weiter
Nach Halle wird die Retrospektive an weiteren Orten gezeigt:
Musée de Grenoble:
14. November 2026 bis 7. Februar 2027
Kunstmuseum Ahrenshoop:
20. März bis 13. Juni 2027
Osthaus Museum Hagen:
13. November 2027 bis 27. Februar 2028
Begleitend erscheint ein teilweise dreisprachiger Katalog mit 288 Seiten und 364 Abbildungen.
Führungen, Vortrag, Konzert und Film
Das Begleitprogramm umfasst unter anderem Kuratorenführungen, einen Vortrag über Kesting als ostdeutschen Avantgardisten, ein Konzert mit Liedern von Friedrich Hollaender sowie einen Filmabend im Puschkino.
Die erste Kuratorenführung mit Paul Kaiser findet am 20. August um 16.30 Uhr statt. Am selben Tag folgt um 18.30 Uhr ein Vortrag über Leben und Werk des Künstlers.
Ausstellung im Überblick
Titel: „Edmund Kesting. Avantgardist“
Zeitraum: 2. August bis 25. Oktober 2026
Ort: Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)
Umfang: 227 Werke aus mehr als 40 Sammlungen
Kuratoren: Dr. Paul Kaiser und Thomas Bauer-Friedrich
Quelle
- Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale): Presseinformation 06/2026 „Edmund Kesting. Avantgardist“, 31. Juli 2026.