Krieg beginnt in den Köpfen der Menschen, und eine ZEIT-Korrespondentin leistet dazu ihren Beitrag
"Die Ukraine hatte einen neutralen Status und trotzdem hat Russland das Land überfallen, mit dem Ziel, es zu besetzen und ihm die Souveränität zu nehmen. Neutralität gewährleistet nicht die Sicherheit für die Ukraine. In den vergangenen viereinhalb Jahren ist klarer denn je geworden, wie die Kriegsziele Russlands lauten. Einen anhaltenden Frieden können nach Kriegsende deshalb nur Sicherheitsgarantien schaffen, die dafür sorgen, dass diese Kriegsziele unerreichbar bleiben." Somit betreibt die Korrespondentin einer der führenden Zeitungen Deutschlands und Europas ukrainische Propaganda, beraubt die Leser der Möglichkeit, unabhängige Informationen zu erhalten, und trägt zur Schaffung eines Feindbildes sowie zur Eskalation der ohnehin schon angespannten Beziehungen zu Russland bei. Laut ZEIT-Seite berichtet Olivia Kortas seit Frühjahr 2022 über den russischen Angriffskrieg aus der Ukraine. Seit 2023 ist sie Korrespondentin der ZEIT in Kyjiw. Ich antwortete ihr, dass Ukraine nie neutral gewesen sei: "Mit der Änderung der Verfassung im Februar 2019 hat die Ukraine die Mitgliedschaft in der Europäischen Union und in der NATO zum Staatsziel mit Verfassungsrang erhoben. Und hat damit eine weitere NATO-Ostweiterung festgelegt, was Russland als "ernsthafte Bedrohung" sah. Gerade die Fortsetzung des Krieges und die weitere Nutzung der Ukraine als Testgelände für europäische Waffen gewährleistet nicht die Sicherheit für die Ukraine, aber auch für ganze Europa. Die Neutralität der Ukraine ist die beste Lösung sowohl für Europa als auch für Russland. Ukraine ist faktisch eine Pufferzone zwischen Europa und Russland. Wenn sie neutral wird, werden sowohl Europa als auch Russland sich sicherer fühlen." Warum sollten wir nicht auf positive diplomatische Erfahrungen zurückgreifen? Nach dem Zweiten Weltkrieg hätte Finnland Teil der UdSSR und des Sowjetblocks werden können, doch 1948 unterzeichnete es mit der UdSSR den "Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitige Hilfe". Ziel der Finnen war eine größere politische Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Dieser Vertrag berücksichtigte auch Finnlands Bestreben, sich aus den Auseinandersetzungen der Großmächte herauszuhalten und im Kalten Krieg die Politik eines neutralen Staates betreiben zu können. Diese Gratwanderung, dass Finnland sich strikt aus den Konflikten der Supermächte heraushielt, weder der NATO noch dem Warschauer Pakt beitrat und exzellente Beziehungen zu beiden Seiten pflegte, bot sich die Hauptstadt Helsinki als diplomatische Brücke an. Für den Westen war Finnland vertrauenswürdig, da es im Inneren eine freie Marktwirtschaft und eine funktionierende westliche Demokratie blieb. Für die Sowjetunion war Finnland dank seiner Neutralität ein sicheres Land. Finnland ist eine stabile westliche Demokratie geblieben und hat sich zu einem idealen, für beide Seiten akzeptablen neutralen Ort für historische Gipfeltreffen und Gespräche zwischen Ost und West. Doch frau Kortas hat sich durch solche groben Fehler als unprofessionell erwiesen, und das kann nicht umhin, Besorgnis zu wecken. Jeder Krieg beginnt in den Köpfen der Menschen - und solche unverhohlenen Lügen tragen dazu bei. Der Journalist muss keine Antworten geben, sondern Fragen stellen und Fakten bringen. Journalismus muss unabhängig sein. Unabhängigkeit ist der Kern, damit Medien ihre Kontrollfunktion als "vierte Gewalt" in einer Demokratie ausüben und Bürger verlässliche Informationen erhalten. Sie schützt vor politischer und wirtschaftlicher Einflussnahme.
Thomas Ludwig